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Butter bei die Fische ...

Jetzt mal konsequent zu Ende gedacht - ohne großartig Probleme zu diskutieren, sondern den Blick nach rückwärts gerichtet. Denn vorne ist der Abgrund!


Was sind die Fakten?

Mangelnde Digitalisierung. Eine Gesundheitskarte, die keine ist. Nach Jahren der Forschung und vielen sinnlos verballerten Milliarden ist es bis heute nicht gelungen, eine Gesundheitskarte auf den Weg zu bringen, die ALLE Daten des Patienten enthält. Die Gründe dafür sind mir relativ egal. Der Datenschutz kann es nicht sein, denn ein Staat, der seine Bürger auf jedem Schritt und jedem Tritt überwachen will, kennt keinen Datenschutz. Technik? Fehlanzeige. Technisch ist alles machbar. Wenn nicht in Deutschland, wo dann? Wer Schummelsoftware für PKW's entwickelt, wird ja wohl noch ein einfach zu verwaltendes System für Patientendaten hinbekommen.

Mangelnder Wille. Von wem? Von allen! Wollen wir wirklich, dass unsere Patienten gesund werden? Wollen das die Ärzte, die Therapeuten, die zahllosen Krankenpfleger, die Klinikleitungen, die orthopädischen Schuhmachermeister und alle diejenigen, die an kranken Menschen ordentlich verdienen? Nein. Wer etwas anderes sagt, der lügt. Ergo: Falsches System!

Unzureichende, schlechte, suboptimale - der Kreativität des geneigten Lesers sei freien Lauf gelassen - Berufsvertretung. Wirklich? Manch' einer wird jetzt denken: "Jetzt geht das Verbandsbashing wieder los". Tut es nicht. Es geht um Fakten! Was hat man erreicht? Therapeuten sind für das korrekte Ausfüllen eines Rezeptes verantwortlich. Therapeuten bekommen Rezepte vollständig abgesetzt, wenn die Daten nicht korrekt sind und haben keine Chance auf Nachbesserung (wem man das in der freien Wirtschaft erzählt, bekommt einen Lach-Flash). Therapeuten haben maximal 20 Minuten bezahlte Zeit (Es stehen allerdings jeden Tag welche auf, die unbezahlte 10 Minuten daran hängen). Therapeuten verdienen heute genauso viel, wir vor 25 Jahren - heute in Euro, damals in DM. Wenn der Umrechnungsmechanismus irgendwo funktioniert hat, dann bei den Lebenshaltungskosten [Ironiemodus aus]. Alles was damals in DM gültig war wurde 1:1 in Euro umgerechnet. Therapeuten erhalten als Berufseinsteiger durchschnittlich 2000 Euro Brutto. Manche Kolleginnen und Kollegen im Osten erhalten noch nicht einmal 1000 Euro Netto! Für Hartz IV zu viel, zum Leben zu wenig. Therapeuten schlagen sich jeden Tag unentgeltlich mit ärztlichen Fehldiagnosen oder unvollständigen, nichtssagenden Diagnosen herum. Therapeuten sind die Sündenböcke der Verteilungsmechanismen der gesetzlichen (und mittlerweile auch der privaten) Krankenkassen. Wenn es irgendwo etwas zu sparen gibt, dann bei den Heilmittelausgaben (also dem geringsten Anteil des gesamten Ausgabenspektrums). Toll! Den Kolleginnen und Kollegen fällt sicher noch mehr ein. Positives? Da werde ich sprachlos. Also ich finde bei all den niederschmetternden schlechten Ereignisse nichts Gutes. Aber vielleicht bin da ja alleine und andere haben richtig gute Argumente. Und den Verbandsoberen sei entgegen gerufen: GUTES ZÄHLT! TUE GUTES UND REDE DARÜBER. Deswegen kann mir bis heute auf meine Frage, was denn alles Gutes erreicht wurde, kein Verbandsvertreter antworten.

Die Politik. Wer sich auf die Politik verlässt, ist verlassen. Ich habe den Glauben an die Politik mittlerweile verloren. Wir verharren im Stillstand. Seit dreißig Jahren und länger. Wird schon. Passt schon. Irgendwie wird sich etwas ergeben. Gerade eben hat man der Automobilindustrie, die gnadenlosen Betrügern vor dem Herrn, die uns seit Jahren mit Spritverbräuchen (klingt komisch, schreibt man das so?) beschissen haben und mit Absprachen und Schummelsoftware hinter's Licht geführt haben, die in den USA Milliarden Strafzahlungen leisten mussten, in Deutschland eine breite, niemals einstürzende Brücke gebaut. Hardware? Gibt es nicht und wenn doch dann zu teuer. Lieber noch ein paar Jahre Zeit geben, um weiter zu betrügen. Unfassbar! Und auf diese Politik soll Verlass sein? Nie und nimmer. Nicht gestern, nicht heute, nicht morgen. Was ist im Wahljahr 2017 übrig geblieben von all den Anstrengungen des Herrn Dr. Kühne. Schön, das es ihn gibt. Aber das wird untergehen in der Wahlpropaganda. In den schönen Plakaten der FDP. Im Denken von Fr. Merkel, die nur eines im Sinn hat: Die nächsten vier Jahre einigermaßen heil zu überstehen. Schade. Chance vertan!

Blankoverordnung! Wer glaubt ernsthaft, dass selbst mit der Festschreibung im HHVG sich die Bundesärzteschaft irgendeine Butter oder andere Form des Brotaufstrichs von dem Selbigen nehmen lässt? Ich nicht. Warum sollte sie das tun? Welche Vorteile hat eine Blankoverordnung für die Ärzte (außer der Abschaffung des leidigen Budgets und deren Übertragung auf die Therapeuten)? Erleichtert es deren Arbeit? Sind sie dann die besseren Ärzte? Wieviel kosten Modellversuche? Wer bezahlt sie? Wer initiiert sie? Wann get es endlich los mit de Feldversuchen? Deren Ergebnisse wir übrigens zur Genüge kennen.

Bachelor! Ein Bachelor ohne Master ist wie ein Brot ohne Butter. Trocken. Nichts sagend. Unbedeutend in der Hochschullandschaft. Kein vollständiger Studienersatz. International umstritten, zumal Deutschland das einzige Land in Europa ist, das die Bologna-Richtlinien nicht umgesetzt hat. Macht ein Bachelor den besseren Physiotherapeuten? Hat dieser dadurch den Direct Access? Verdient er mehr Geld? Findet er eher eine Anstellung? Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin ein großer Fan des Bachelor. Aber im Sinne der Vereinheitlichung des Berufsbildes und im Sinne des wissenschaftlichen Arbeitens. Aber so, wie es ist, wird kein Schuh daraus.

Schulgeldfreiheit! Super! Wer bezahlt die Schulen? Der Staat. Also die Allgemeinheit. Hat die Geld? Laut Stäuble nicht - zumindest nicht dafür. Also gibt es weniger Geld als bisher. Viele Schulen werden sich nicht halten können. Konsequenz: Weniger Schüler, weil weniger freie Schulplätze. Weniger Schüler heißt weniger Schulabgänger. Willkommen im Mangelberuf.

So, wie es ist, geht es nicht weiter!

Deutschland hängt ab! Auf Lorbeeren ausruhen, keine Innovationen, keine Paradigmenwechsel in Sicht! Und die muss es geben, damit sich etwas ändert.
Zwei Denkweisen bieten sich an: Staatlich reguliert (wird nicht funktionieren, da der Staat nicht nur bei der Wasserversorgung auf Privatisierung setzt) oder freier Markt mit allen Konsequenzen.
Letzteres finde ich persönlich richtig gut. Weil das nämlich vieles vereinfacht.
Denn das uns die Kassen mehr bezahlen, ist und bleibt illusorisch. Warum sollten sie das tun? Funktioniert ja auch mit weniger. Mangel? Interessiert die Kassen nicht. Sie sind auf ihre Ausgaben und ihre Einnahmen fixiert.

Was ist umsetzbar?

Der Beruf MUSS sich wandeln. Abgrenzung und signifikante Unterscheidungsmerkmale (Stand Alone) können neben der Qualifikation (Bachelor, Master) nur noch der Preis und damit die durchführbaren Behandlungssequenzen sein. Mehr Zeit für die Patienten, weniger Abhängigkeit von Ärzten oder anderen Verordnern. Mehr Freiheit in der Durchführung von sinnvollen und evidenzbasierten Maßnahmen. Frei verhandelbare, höhere Stundensätze, damit mehr Gehalt für Angestellte. Ein freier Markt reduziert die Anzahl der Therapeuten und die der Schulen, aber auch die Anzahl der Patienten. Weg vom Wohlfahrtsstaat. Unterstützung für diejenigen, die es wirklich nötig haben. Wer sich jeden Tag ein Bier und eine Schachtel Zigaretten leistet (7,50 Euro x 7 x 52 = 2730 Euro), kann sich auch 10 oder mehr physiotherapeutische Behandlungen pro Jahr leisten. Das muss in den Köpfen der Menschen ankommen. Und das tut es nur, wenn sich etwas ändert. Sonst nicht! Diejenigen, die sich auf diesem wenig regulierten, freien und verantwortungsbewusstem Markt behaupten, verdienen gutes Geld. Alles anders ist unehrlich und Augenwischerei.

Beste Grüße
Jürgen Pagel

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