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Was bedeutet eigentlich der Begriff Lizenz?

Wir finden ihn nahezu in allen Lebensbereichen. Gemeint ist dabei nicht die  "Lizenz zum Töten" - die bezog sich seinerzeit auf James Bond. Vielmehr sind Lizenzen im Sportbereich bedeutungsvoll. Und mit denen soll sich der vorliegende Artikel befassen, weil es sich dabei um sogenannte "nichtgesetzliche Lizenzen" handelt. Alle anderen Lizenzen sind durch entsprechende Verträge zwischen einem Lizenzgeber und einem Lizenznehmer klar geregelt und spiegeln sich überwiegend in der GewO (Gewerbeordnung) §§30 ff geregelt.Für Lizenzen, die im sportlichen Bereich vergeben werden, ist die GewO nicht relevant.
Wikipedia ist hierbei nicht sonderlich hilfreich. Hier heißt es:
(...) "Wichtigste nichtstaatliche Lizenz ist im Profifußball die zwingend notwendige vertragliche Teilnahmeberechtigung für den Spielbetrieb der Fußball-Bundesliga und 2. Fußball-Bundesliga. Nach der Einreichung umfangreicher Lizenzierungsunterlagen durch die Vereine und Genehmigung durch die Deutsche Fußball Liga als Lizenzgeber schließt diese einen Vertrag mit jedem Verein (Lizenznehmer), der die Teilnahme am Spielbetrieb gewährleistet, nur für eine Saison gilt und „Lizenz“ genannt wird. Weitere Lizenznehmer sind die Vertragsspieler, deren Spielerlaubnis umgangssprachlich ebenfalls als Lizenz bezeichnet wird." (...)




Wie ist das nun mit der sogenannten Fitness-Trainer-Lizenz A, B, C? Was ist eine Ernährungsberater-Lizenz? Was eine Personal Trainer-Lizenz?
Im Handelsrecht ist das klar geregelt. Eine Lizenz wird vergeben, um gem. Vertrag eine Software, eine Tätigkeit (Bankgewerbe, Immobilienbranche usw.) zu schützen. Das heißt, es ist nur derjenige berechtigt, eine Tätigkeit auszuüben, eine Software zu nutzen oder eine Beratung vorzunehmen, der dazu eine Lizenz besitzt, also die Nutzungsrechte genießt. In aller Regel erfolgt die Überlassung dieser Rechte entgeltlich - derjenige muss für diese Nutzung bezahlen.

Im sportlichen Bereich ist das etwas anders. Die Weitergabe von Wissen erfolgt in aller Regel ebenfalls gegen ein Entgelt, allgemein als Fort- oder Weiterbildungsgebühr deklariert. Nach einer bestandenen Wissensüberprüfung (in vielen Fortbildungen wird keine Prüfung verlangt) erhält der Teilnehmer eine Lizenz. Die Lizenz beinhaltet gegenüber einem Zertifikat oder einer Urkunde über die erbrachten Fortbildungsleistungen eine zeitliche Befristung, die temporär (also beispielsweise für ein oder zwei Jahre) ihre Gültigkeit hat oder unbegrenzt gültig ist.
Das gilt im Grunde für alle Lizensierungsverfahren, die staatlich und somit in der GewO nicht geregelt sind. Es obliegt also dem sogenannten Lizenzgeber, wie er den Vertrag mit dem Lizenznehmer ausgestaltet.




Was dabei im Unterschied zu den staatlichen Lizenzen ungeregelt bleibt, ist die Qualität. Jeder - ohne jegliche Ausnahme - kann und darf einen solchen Lizenzvertrag schließen. Beispiel: Sie besuchen eine Fitness-Trainer-Ausbildung, welche als solche ausgeschrieben ist und einen bestimmten Level (in unserem Beispiel den Level B) beinhalten soll. Nach erfolgter Ausbildung am Institut XY erhalten Sie eine für zwei Jahre gültige Lizenz. Das ist vertraglich so geregelt (Sie haben es schließlich unterschrieben). Danach sind Sie verpflichtet, eine Lizenzverlängerung zu beantragen. Das kann Sinn machen (gerade im sportlichen Bereich verändert sich innerhalb von zwei Jahren relativ viel) oder aber auch nicht. 
Stellen Sie sich einen Schreiner, einen Energieanlagenelektroniker oder einen Bäcker vor, der alle zwei Jahre sein berufliches Wissen auffrischen müsste. Muss er eben nicht. Wenn Sie den Beruf einmal gelernt haben, ist der Gesellenbrief oder der Meisterbrief ein Leben lang gültig. Abgesehen davon unterliegen Berufe wie Physiotherapeut, Logotherapeut, Ergotherapeut, Arzt usw. einer gesetzlichen Fortbildungspflicht. Hier zeigen sich im Falle der Kassenzulassung diese für eine entsprechende Anzahl an Fortbildungen pro Jahr verantwortlich.
Aber im sportlichen Sektor gibt es diese Verpflichtung nicht, wie sie keiner staatlichen Kontrolle unterliegt. Es bleibt also jedem Vertragspartner selbst überlassen, Ausbildungen zu definieren, zu verlängern oder eben auch nicht. Jeder wie er will oder kann.

Keine staatliche Kontrolle heißt Selbstkontrolle. Diese wird jedoch sehr häufig von dem Wunsch des Lizenzgebers überschattet, mit Lizenzen Geld zu verdienen. Das durchaus anerkennenswerte Ziel, den Teilnehmern regelmäßig Wissen zu vermitteln, wird monetären Gründen gemäß hinten an gestellt. Legitim - da fehlende staatliche Kontrolle, aber doch bisweilen mit großer Vorsicht zu genießen.



So sind Fitness-Trainer A, B und C-Ausbildungen freie Erfindungen der Anbieter und garantieren weder den Erfolg noch die Leistung. Gleiches gilt für Personal-Trainer-Ausbildungen, für Ernährungsberater (zumal es sich dabei um einen Studiengang - Dipl. Ökotrophologe - handelt), für sogenannte Coaches (im allgemeinen Sprachgebrauch als Berater tituliert) und viele andere wohlklingende Berufsbezeichnungen, die im gesetzlichen Sinne gar keine sind.

Will sagen: Traue keiner Lizenz, deren fachlichen und sachlichen Inhalt Du nicht kennst. Lese die vorliegenden Verträge aufmerksam durch. Sie sind mit dem Zeitpunkt der Unterschrift verbindlich. Bedenke, dass Lizenzen von Vereinen (der DOSB beispielsweise ist ein solcher Verein) oder privaten Fortbildungsanbietern keine rechtliche Relevanz im Hinblick auf ein Berufsausübungsrecht haben, weil es keine Berufe im Sinne der Wirtschaftsordnung (Ein Beruf ist die im Rahmen einer arbeitsteiligen Wirtschaftsordnung aufgrund besonderer Eignung und Neigung systematisch erlernte, spezialisierte, meistens mit einem Qualifikationsnachweis versehene, dauerhaft und gegen Entgelt ausgeübte Betätigung eines Menschen.) sind. Fitness Trainer Lizenzen sind eine "Erfindung" der vom Fitnesstrend profitierenden Fitness-Instituten. Ziel ist hierbei - und von dem Gedanken müssen wir uns glaube ich alle befreien - durchaus das Vermitteln und die Weitergabe von Wissen. Aber eben nicht unentgeltlich, sondern gegen Gebühren, die nicht unterschiedlicher den können. Nicht jeder teure Lehrgang ist auch gut. Ein günstiger Lehrgang muss nicht schlecht sein. Je mehr Informationen zu Beginn der Entscheidung, einen Kurs zu besuchen vorliegen, um so besser. Transparenz und Offenheit künftigen Teilnehmern gegenüber ist ausgesprochen wichtig bei Angeboten, die keiner staatlichen Kontrolle unterliegen ne sich ausschließlich auf den Privatsektor beziehen.

Deswegen gilt es im Zusammenhang mit Lizenzen den gleichen Grundsatz, wie vor jeder Beziehung zu beachten:
"Prüfe, wer sich ewig bindet, ob er nicht was Besseres findet."

Mit besten Grüßen
Jürgen Pagel

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