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Viva La Revolution - Therapeuten steht auf und .....


Es ist mal wieder Montag und Zeit für einen Kommentar, der über das Wochenende gereift ist.

Die Basis dafür stellt aber nun ein Post von Daila Dee im Forum Physiotherapie Deutschland dar, den ich zum Anlass nehmen möchte, den einen oder anderen Gedanken zu vertiefen.


Sie schreibt: [...] Liebe aktivistische MitstreiterInen, ich bin sehr bei den Aktionen #patientenamlimit #Bewerbung und #roteKarte dabei. Allerdings kommen mir folgende Gedanken: hier erschien schon ein Post, dass die größte Gesundheitskasse Deutschlands penibel Verordnungen absetzt auf Grund kleinster Fehler und ohne Chance zur Richtigstellung. Bitte achtet etwas sensibler darauf, ob sich das demnächst noch verschärft. Desweiteren sollen HB Pauschalen komplett gestrichen werden. Ich vermute, wenn der Druck wächst, wächst auch der Gegendruck. Sind wir uns im klaren darüber, welche Konsequenzen dabei auf uns zurück fallen könnten? Sind wir gerüstet?  Diese Gedanken geistern mir heute im Kopf herum..ich hoffe die machen keinen Radautz. Millionenfach gegrüßt an euch alle smart am Start ! [...]


Wir sollten das alles aus unterschiedlichen Sichtweisen heraus betrachten.

Hier ist zum Einen aus der Sicht des Gesetzgebers. Dieser schreibt vor, wer sich wie an was zu halten hat. Dafür gibt es gesetzliche Grundlagen, deren Voraussetzungen für alle gleich sind. Dabei darf es keine mehr oder weniger „gleich“ geben. Das gilt für Therapeuten, für Patienten und für die Krankenkassen gleichermaßen.

Zum anderen gelten Rahmenverträge. Diese Verträge sind für die Rahmenvertragspartner während der Dauer der Gültigkeit verbindlich. Vertragsverletzungen sind in beiden Richtungen gem. geltenden Vereinbarungen entsprechend zu ahnden.

Es rächt sich nun ein Stück weit, dass Kolleginnen und Kollegen in der Vergangenheit (und der größte Teil wird es heute noch tun) geschummelt haben. Rezepte werden nicht abgerechnet, weil falsch ausgestellt. Ein Datum wird fingiert, weil das Rezept sonst nicht abrechenbar ist. Patienten werden 30 Minuten behandelt, obwohl nur 15 bezahlt werden. Es werden keine Ausfallrechnungen gestellt, weil man das lieber in Form von Minnusstunden den Angestellten auf‘s Auge druckt usw. und so fort.

Viele Kolleginnen und Kollegen „krebsen“ am Rande des Existenzminimums herum und wurschteln sich irgendwie durch - ohne den Mund aufzumachen, ohne Konsequenzen zu erzwingen.

Was schwingt nun unterschwellig in dem o.g. Post mit? Die Angst vor Konsequenzen? Sollen wir jetzt die Segel streichen aus Angst davor, dass es noch mehr Absetzungen gibt, aus Angst, dass noch weniger verordnet wird?


Ich meine NEIN! Definitiv NEIN!

#jetzterstrecht! Das LOTSE-Gutachten des Verbandes Logo Deutschland (ich habe es heute morgen zum dritten Mal gelesen) ist m.E. 1:1 auf die Situation der Physiotherapie und aller anderen Heilmittelerbringer zu übertragen (und ich frage mich zum wiederholten Male, warum es so etwas nicht für Physiotherapeuten gibt) und es ist ein Offenbarungseid. Ein Offenbarungseid für die Politik, die Krankenkassen und für die Verbände (in diesem Fall mit der Ausnahme Logo Deutschland).




Wir befinden uns seit Jahrzehnten in einer Abwärtsspirale, die uns sehendes Auges in den Untergang - sprich die Mehrzahl der Praxen in Deutschland, in die Insolvenz führen wird.

DAS ist die Konsequenz - liebe Daila Dee. Es wird nicht alle treffen. Die eine oder andere Praxis hat sich mittlerweile gut aufgestellt und ebenso wird die eine oder andere Praxis das überleben, weil die Praxisinhaberin das Glück hatte, einen Gatten heiraten zu dürfen, der über ausreichend Kapital verfügt, das Hobby seine Frau Gemahlin am Laufen zu halten. Aber die große Masse wird es treffen. Wenn wir nicht jetzt - JETZT - mit aller Macht danach streben, an dem bestehenden Zustand etwas zu ändern. Denn es gibt gar keine andere Konsequenz, als die Insolvenz.

Wenn Kassen Absetzungen betreiben, tun sie das auf Basis bestehender Vereinbarungen. Sie haben sich an den gesetzlichen Rahmenbedingungen zu halten. Das ist gut so. Wir tun ebenso gut daran, uns dan diese Bedingungen zu halten und es würde uns besser gehen, wenn wir das schon immer gemacht hätten. Viel eher wäre nämlich klar geworden, das es so wie es ist, gar nicht funktionieren KANN.


Wenn die Krankenkassen nun sozusagen Gegenmaßnahmen ergreifen, ist das nur billig. Ich habe bereits vor Jahresfrist davor gewarnt, dass genau das eintreten wird. Weniger Verordnungen (leider auch durch vorauseilenden Gehorsam breiter Teile der Ärzteschaft bestimmt), Kürzungen wo immer es geht sowie Streichungen von Leistungen, egal ob das sinnvoll ist oder nicht.


Wir sind in den „Kampf“ gezogen und der Gegner hat den „Fehdehandschuh“ aufgenommen und kämpft seinerseits um den Erhalt seiner Pfründe. Das muss er mit rechtlich sauberen Mitteln tun. Rechts- oder Vertragsverstöße sind nicht zu dulden.

Da gibt es kein Kaffeekränzchen mehr, kein „ach lass‘ uns noch einmal darüber reden“. Wer jetzt auf eine solche Politik der Verhandlung setzt, hat den Kampf verloren, bevor er richtig anfängt.


Wir haben die einmalige Chance, ein kaputtes System von unten nach oben zu reformieren. Und wir haben auf diesem Wege noch nicht einmal 10% hinter uns gebracht. Die Mehrzahl aller Kolleginnen und Kollegen hat immer noch gar nichts mitbekommen. Es liegt noch viel, viel Arbeit vor uns. #therapeutenamlimit, #ohnemeinephysiotherapeuten u.a. sind der Anfang gewesen. Das waren Aktionen. Jetzt geht es an das Eingemachte. Jetzt beginnt die strategische „Kriegsführung“, jetzt braucht das Ganze eine übergeordnete Struktur, die bündelt, die Geld gibt und die weiterhin mit Vollgas diesen revolutionären Karren am Laufen hält.


Mein Aufruf: 

Haltet euch an die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Achtet auf die Korrektheit der Rezepte. Reduziert den Behandlungsrhythmus endlich auf das vereinbarte Maß. Ihr bekommt 15-20 Minuten bezahlt und benötigt 5 Minuten pro Behandlung für die Adminsitration? Dann behandelt auch nur 15 Minuten Netto am Patienten. Keine Sekunde länger. Die Patienten bekommen keinen Hausbesuch mehr verordnet? Dann besucht sie auch nicht. Ihr seid nicht versichert. Ihr riskiert die Absetzung. Lasst es!

Habt kein Mitleid! „Leidet“ nicht mit, denn wir müssen endlich die Patienten auf die Straße bekommen. Habt Mitgefühl, ja! Aber leidet nicht! Es ist nicht unser Problem, sondern das Problem der Patienten.

Klärt sie endlich auf. Schreibt eure Situation auf; erklärt ihnen, was euch von 18,50 Euro für eine Behandlung am Ende bleibt - nach Abzug der Steuern.

Macht ihnen klar, dass wir uns am unteren Ende der Lohnskala bewegen. Schaut euch das Gutachten von Logo Deutschland an und ihr wisst, was ich meine.

Schickt sie konsequent zur Kasse oder zum Arzt zurück. Hört auf, euch den administrativen Aufwand des Arztes an Land zu ziehen und Faxe mit Änderungsvorschlägen zu senden. Rezept falsch ausgefüllt? Klären sie das mit ihrem Arzt, denn der hat die Software, die das verhindern soll.

Zieht es durch. Bis zum Ende.

Ob das bitte oder süß wird - WIR HABEN ES IN DER HAND!

Ist es nicht erstaunlich, dass die meisten Urheber dieser Aktionen eigentlich entweder keine Physiotherapeuten sind oder gar nicht mehr mit den gesetzlichen Kassen abrechnen? Also ergreift endlich die Initiative, tragt das in die deutsche Welt hinaus. Tag für Tag. Monat für Monat.


Es ist noch ein langer Weg. Steinig und steil. Aber oben, ganz weit oben wartet der Erfolg und das Gefühl, etwas Grandioses erreicht zu haben.


Viva la Revolution



Jürgen Pagel

Praeventfit

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