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Kritische Aspekte zur Titulierung nicht diplomierter Berufe

Was so alles gern ein Diplomierter sein möchte ...

Ich surfe ja gerne immer wieder mal im Internet. Meist geht es mir wie vielen anderen auch, dass ich zwar nach etwas gezielt suche, dann mich aber in den Weiten des Netzes gnadenlos verliere und nach zwei Stunden gar nicht mehr weiß, was ich eigentlich ursprünglich gesucht habe.

Dabei komme ich natürlich auch auf Seiten von Kolleginnen und Kollegen Trainer, die ab und an mit Dingen Werbung machen, von denen sie offensichtlich nicht wissen, wie teuer das werden kann.

Es geht in erster Linie um so Begriffe wie "Diplom Personal Trainer", Diplom Trainer", "Diplom Ernährungsberater", "Diplom Fitness Experte" und viele Stilblüten mehr.
Es fällt auf, das es ausnahmslos Kollegen sind, die den Titel nicht rechtmäßig an einer Universität oder einer hochschulähnlichen Fakultät erworben haben, sondern von ihrer Ausbildungseinrichtung ein sogenanntes "Diplom" ausgehändigt bekommen. Nicht, weil das Unternehmen dazu berechtigt wäre, sondern einfach weil es schick aussieht.

Warum nun meinen viele Trainer, sich mit einem Diplom schmücken zu müssen?

Dafür mag es mehrere Gründe geben.

  1. Es sieht einfach schick aus.
  2. Es vermittelt Kompetenz ( die bei einem Berufsanfänger nun wirklich noch nicht vorhanden sein kann.
  3. Es wird den Absolventen suggeriert, das ein Diplom mehr wert ist, als ein Zertifikat.
  4. Das "verleihende" Unternehmen "verleiht" sich dadurch zunächst einmal selbst eine hohe Wissenskompetenz.
Ich habe bisweilen versucht, die Kollegen auf den unrechtmäßigen Umstand ihres Handels aufmerksam zu machen - leider nur mit mäßigem Erfolg. Wenn ich mir überlege, wie viel Geld ich mittlerweile mit Abmahnungen in Kooperation mit einem Rechtsanwalt hätte verdienen können - ich hätte mich wahrscheinlich schon zur Ruhe setzen können und bräuchte das hier nicht schreiben ;-).

Aber hier geht es gar nicht darum, jemand an den Pranger zu stellen, sondern um die Sache an sich.

Warum meinen Trainer, nichts wert zu sein?

Der Trainerberuf ist nicht nur eine Beruf, sondern wird in der Liste der sogenannten Katalogberufe als freier Beruf geführt. Ist also neben Architekten, Rechtsanwälten, Physiotherapeuten etc. gut aufgehoben. Warum also künstlich und vor allem unrechtmäßig aufwerten?
Erfahrung + Wissen = Können
Warum sich verstecken? Es ist keine Schande, Berufsanfänger zu sein und sich sowohl die Erfahrung wie auch das Wissen erst einmal in langjähriger Berufserfahrung anzueignen. Das wird durch ein "Diplom" auch nicht einfacher.

Warum also nicht das "Diplom" denjenigen überlassen, die es sich rechtmäßig durch jahrelanges Studium verdient haben?

Um das Thema nun auch Rechtssicher zu machen, habe ich einen Auszug aus dem Hochschulrahmengesetz eingefügt:
"In Deutschland ist das Diplom der häufigste akademische Grad. Die mit dem Diplom abschließenden Diplomstudiengänge sind vorwiegend in den Ingenieur-, Natur-, und Wirtschaftswissenschaften, aber auch in einigen Fächern der Geistes- undSozialwissenschaften zu finden.
Der akademische Diplomgrad setzt sich stets aus dem Wort „Diplom“ und der betreffenden Fachrichtung zusammen, wobei neben der weitaus am häufigsten vertretenen persönlichen Form (z. B. Diplom-Kaufmann) auch die unpersönliche Form (z. B. Diplom in audiovisuellen Medien) verliehen werden kann. Akademische Grade dürfen in Deutschland gemäß § 18 Hochschulrahmengesetz(HRG) nur von Hochschulen verliehen werden. Wortkombinationen der Bezeichnung „Diplom“ bzw. „Dipl.“ und einer Fachrichtung oder Berufsbezeichnung, die nicht von einer Hochschule verliehen wurden, sind mit akademischen Graden verwechslungsfähig und daher unzulässig. Das Führen von "Diplom"bezeichnungen, die nicht von einer Hochschule oder Berufsakademie (mit Zusatz "BA") verliehen wurden, ist gemäß § 132a Abs. 2 StGB strafbar.
An Fachhochschulen wird das Diplom ebenfalls verliehen, allerdings mit dem führungspflichtigen Zusatz (FH). Es berechtigt nicht grundsätzlich, aber unter besonderen Voraussetzungen, zur Promotion. Neben der im Gegensatz zum universitären Diplom eher anwendungsbezogenen Orientierung unterscheidet sich das Diplom der Fachhochschulen auch durch die Regelstudienzeit von max. acht Semestern. Für Bachelor- und Masterstudiengänge gibt es dagegen keine derartigen grundsätzlichen Unterscheidungen.
An Berufsakademien wird das Diplom nicht als akademischer Grad sondern als staatliche Abschlussbezeichnung verliehen und mit dem Zusatz (BA) geführt. Die aus den Berufsakademien in Baden-Württemberg hervorgegangene Duale Hochschule ermöglicht eine Nachgraduierung dieses Abschlusses in einen akademischen Diplomgrad, der mit dem Zusatz (DH) geführt werden muss. Das Diplom (DH) ist ausschließlich für die Nachgraduierung von früheren Absolventen der Berufsakademien vorgesehen. Ihren regulären Absolventen verleiht die Duale Hochschule den Bachelor."
Die gekennzeichneten Links führen jeweils zu Unterverzeichnissen in Wikipedia, aus dem dieser Artikel letztendlich auch stammt.

Ich weiß auf viele der zuvor gestellten Fragen auch keine Antworten. Vielleicht wissen Sie es?
Freu´ mich auf Kommentare.


Jürgen Pagel | Gesundheit + Sport
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