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Pulsuhr und Bauchgefühl

Ich hab´s schon immer irgendwie geahnt ....

Wer kennt das nicht? Du läufst zu Hause los; nach dreihundert Metern stellst Du fest, dass Du die Pulsuhr vergessen hast - ab zurück nach Hause in zackigem" Tempo, um den Gurt umzuschnallen.


Dabei geht das mit dem Gefühl wirklich gut. Weil nämlich ganz viele Sachen bei der Pulsmessung eine Rolle spielen: Tagesform, Alter, Wind, Regen, Schnee, Wärme, Kälte, Lust und Laune, Art und Weise des Trainings (Kraft oder Ausdauer, HIT oder Zirkeltraining usw.), Aufgeregtheit vor dem Wettkampf, Ärger oder Freude nach dem Wettkampf und vor allem Ärger während dem Wettkampf.

Natürlich ist das bei den heutigen Hightech-Uhren gar nicht mehr so ein großes Problem, weil ja die Messergebnisse korreliert werden. Aber eben nur korreliert. Viele Untersuchungen haben immer wieder gezeigt, das es große Schwankungen innerhalb derselben Alters-, Leistungs- und Geschlechtsklasse gibt - bis zu 30 Schläge sind relativ normal. Es gibt sog. "hochpulsige" Sportler, die sozusagen gleich auf "Zweihundert" sind, wie solche, die einfach ein bisschen länger brauchen. Allen gerecht zu werden, wird auch mit der besten Pulsuhr nicht gelingen. Korrelation bleibt eben Korrelation!

Und kommt jetzt noch Medikamenteneinfluss dazu. Betablocker und andere Varianten der Blutdrucksenkung verändern den Maximal- wie den Trainingspulsbereich signifikant. So kann man davon ausgehen, dass je nach Betablocker der Maximalpulsbereich gar nicht mehr erreicht wird. Das Medikament regelt sozusagen bei 150 S/Min. ab. Auch der Trainingspulsbereich ist bei der Einnahme derartiger Medikamente durchschnittlich 10 - 15 Schläge/ Min. niedriger anzusetzen. Damit funktioniert dann noch nicht einmal mehr der "Fitnesstest" der Polaruhr und auch die Basis der Polar OwnZone-Messungen, nämlich die HRV (Heartrate-Variation) funktioniert nicht mehr als Ausgangsmesswert (was aber - und das muss man fairerweise dazu sagen - nicht an der Pulsuhr liegt).

Also bleibt am Ende einfach nur das Gefühl. Vertrauen auf den eigenen Körper. Vertrauen auf die körpereigenen Regulationsmechanismen und vielleicht einfach mal ein bisschen langsamer machen, wenn man sich nicht wohl fühlt. Wir müssen wieder lernen, mehr auf unsere innere Stimme zu vertrauen und uns lösen von dem ganzen elektronischem Hightech-Kram.

Dazu gibt es einen tollen Artikel in Spiegel-Online: Leistungsmessung im Sport - Pulsuhren, der durchaus auf die differenzierte Betrachtung hinweist.


Jürgen Pagel | Gesundheit + Sport
Physio- und Manualtherapie
Personal Fitness Training
Pilates Training
Golf Fitness Training
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