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Schwung und Dynamik

Immer wieder hört man das Argument: Nicht mit Schwung trainieren! Wie sagte schon Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber ...
Warum keinen Schwung einsetzen? Für den Anfänger im Athletiktraining ist diese Empfehlung durchaus in Ordnung. Anfänger nutzen den Schwung meist, weil sie wegen eines zu hohen Gewichtes die Bewegung sonst nicht ausführen können - mangelnde Startkraft ist die häufigste Ursache. Des Weiteren bedeutet Schwung natürlich auch größere Bewegungsgeschwindigkeit und diese wiederum vergrößert die auf die beteiligten Strukturen wirkenden Kräfte (Kraft= Masse x Beschleunigung).
Aber .... Immer diese aber. Schwung bezieht auch andere Strukturen mit ein. Wer sagt, dass ich nur den Bizeps trainieren will? Schwung initiiert die Bewegung von der Hand bis in die Schulter und dafür wird der Bizeps benutzt. Im Alltag besteht die Beugung im Ellenbogengelenk niemals nur aus der Aktivität des Bizeps. Er ist der Supinator im Unterarm und nicht der Hauptbeugemuskel im Ellenbogengelenk. Trainiere ich nun mit Schwung aus den pronierten Streckung in die supinierte Beugung, habe ich die komplette Bewegungskette einbezogen. Hebe ich jetzt den Arm aus der Schulter heraus noch leicht an, ist sogar der lange Bizepskopf mit einbezogen. Schwung kann also - richtig eingesetzt - eine Bewegung sinnhaft vervollständigen.
Ich würde deswegen den Schwung bei keiner Bewegung grundsätzlich "verteufeln".
Noch ein weiteres Argument spricht für den Schwung. Alle Gewebe benötigen umfangreiche Trainingsreize, so auch in Bezug auf die Bewegungsgeschwindigkeit. Wer immer nur langsam trainiert, entwickelt auch nur langsame Bewegungsfertigkeiten.
Im täglichen Leben jedoch finden wir oft schnelle Bewegungserfordernisse. Geprägt von unseren Reaktionen. Wenn etwas herunterfällt, fangen wir es auf, bevor es den Boden erreicht. Wenn uns jemand von hinten anspricht, drehen wir uns nicht langsam und gemächlich herum.
Ein umfassendes Training enthält in jedem Fall auch explosive und schnelle Bewegungsausführungen. Nur so können wir die wichtigen Fast Twitch Fasern (Typ IIa + IIb) erreichen. Schwung und hohe Bewegungsdynamik bezieht die Faszien als wichtiges Speicherelement für Kraft mit ein.
Schwung bewegt ganze Muskelgruppen mit allen dazu gehörenden Strukturen.

Also trainiert ruhig mal mit Schwung - kontrolliert, gezielt und bewusst eingesetzt entsteht eine umfassende Bewegungsfertigkeit. Das Ziel eines jeden funktionellen Trainings.

Sportliche Grüße vom "Schwungtrainer"
Jürgen

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