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Schon wieder ein Verbot?

Artikel Spiegel Online
Zitat Anfang "In Litauen ist es seit Dezember 2014 verboten, Energydrinks an Minderjährige zu verkaufen. Ein neues Gesetz, das im Mai verabschiedet worden war, sieht Strafen von bis zu 116 Euro vor, wenn die aufputschenden Getränke an Kinder und Jugendliche verkauft werden. Laut einer Umfrage trinken zehn Prozent der litauischen Schüler mindestens einmal die Woche einen Energydrink. Die Behörden warnen, dass der hohe Gehalt von Koffein und Taurin in den Getränken zu Hyperaktivität und Abhängigkeit führen könne.

Das Verbot sei weltweit eine Premiere, sagte Almantas Kranauskas, ein ranghoher Vertreter des Gesundheitsministeriums: "Das ist ein revolutionärer Fortschritt in der Welt." Die meisten Länder würden sich auf Empfehlungen beschränken. In Frankreich hatte es jahrelang ein Verbot des Energydrinks Red Bull gegeben, das 2008 wieder gekippt worden war. Auch in Dänemark und Norwegen gab es für das Produkt zeitweilig solche Verkaufsverbote.
In Deutschland empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), den Verkauf sogenannter Energyshots - hochkonzentrierte Produkte im Kleinformat - zu untersagen. Auch Verbraucherschützer warnen immer wieder vor der Kombination aus Koffein und Zucker. Foodwatch fordert ein generelles Verkaufsverbot für Energyshots - und ein Verkaufsverbot für Energydrinks an Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Der gleichen Meinung ist die Verbraucherzentrale Hamburg
Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle
Der Grund für die Besorgnis: In den Getränken steckt viel Koffein, das vor allem in Kombination mit Alkohol gefährlich werden kann. Die Mixgetränke stehen in dem Verdacht, vermehrt Unruhe, Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle zu verursachen. In den USA und Schweden soll es zu Todesfällen gekommen sein - ein kausaler Zusammenhang wurde bislang aber nicht nachgewiesen." Zitat Ende

Koffeinmengen in Kaffee und Grüntee sind deutlich höher

Und genau hier liegt das Problem: "ein kausaler Zusammenhang konnte bisher nicht nachgewiesen werden." Wer die Tabellen der Koffeinmengen verschiedener Getränke aufmerksam liest wird feststellen, dass bei handelsüblichen Dosierungen in einer Tasse Espresso doppelt (14 g Kaffee) deutlich mehr Koffein enthalten ist, wie in den meisten Energy-Drinks. Das Gleiche gilt auch für den als "Gesund" angepriesenen Grüntee.

Niemand kommt doch wirklich auf die Idee, Kaffee und Grüntee zu verbieten bzw. deren Verkauf vom Alter abhängig zu machen. In letzter Konsequenz würde das bedeuten, dass auch ältere Menschen (60+?) künftig vom Kauf von Kaffee und Grüntee ausgeschlossen werden, da sie zur Hochrisikogruppe für einen Herzinfarkt zählen.

12 Stück Zucker pro Dose

Handelt es sich hierbei nicht vielmehr um den Versuch, wieder einmal von den wirklichen Ursachen abzulenken? Ein viel größeres Problem bei den Energy-Drinks ist der hohe Gehalt an Zucker. In einer Dose (250 ml) stecken bis zu 12 Stück Zucker. Das ist mehr als in einer vergleichbaren Menge Cola. Wer sich also am Tag drei bis vier dieser Drinks "reinpfeift" hat kein Koffein-Problem, sondern wird einfach nur Fett und unterliegt damit einem viel größerem Risiko an Diabetes, Herzinfarkt oder Ähnlichem zu erkranken, als andere Menschen, die auf die Zufuhr von Zucker verzichten. Und was den kausalen Zusammenhang zwischen Gefäßerkrankung, Diabetes und Herzinfarkt anbelangt, ist das im Gegensatz zu den Energy-Drinks tatsächlich als kausaler Zusammenhang anerkannt! Aber davon redet keiner, weil unser Staat vor der mächtigen Zuckerindustrie kapituliert hat.

Ich persönlich bin auch kein Fan von Energy-Drinks, weil ich meine, dass niemand das wirklich braucht. Gefüllt mit Aromastoffen, Geschmacksverstärkern, Farbstoffen und neben den Unmengen Zucker oder dessen Austauschstoffen vermiesen solche Drinks einfach den guten Geschmack.
Aber deswegen gleich wieder mit der Verbotskeule zu drohen, ist inkonsequent und einfach nur sinnfrei - dazu pädagogisch wenig wertvoll!

Beste Grüße
Jürgen Pagel

Siehe auch:
http://www.n-tv.de/mediathek/videos/wirtschaft/Litauen-verbietet-Energydrink-Verkauf-an-Minderjaehrige-article14020536.html

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