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Physiotherapie ist eine wichtige Maßnahme im Rahmen der Primär- und Sekundärprävention

"Gegen Schmerzen im Rücken nehmen die meisten Betroffenen Medikamente ein, die die Pein im Kreuz lindern. Manche Patienten bekommen zusätzlich Physiotherapie verschrieben. Ihr Nutzen ist bei chronischen Rückenschmerzen – die länger als drei Monate anhalten – belegt. Doch bei akuten Kreuzschmerzen hilft sie offenbar wenig."


Prof. Julie Mae Fritz und ihr Team von der Universität Utah, USA, haben 220 Patienten mit Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule oberhalb des Gesäßes untersucht. Sie wollten herausfinden, ob für diese Patienten Physiotherapie eine wirksame Ergänzung zu einer medikamentösen Behandlung ist.
Menschen mit chronischen Rückenschmerzen oder sogenannten radikulären Schmerzen nahmen nicht an der Studie teil. Radikulären Schmerzen werden durch Reizung der Nervenwurzeln in der Wirbelsäule verursacht, zum Beispiel durch Bandscheibenvorfälle, Osteophyten oder Entzündungen.

Auch Medikamente alleine helfen

Alle Teilnehmer der Studie nahmen Schmerzmedikamente ein – entweder nichtsteroidalen Antirheumatika (beispielsweise Ibuprofen) oder Opioide. Zirka die Hälfte von ihnen erhielt außerdem einmal wöchentlich über vier Wochen eine physiotherapeutische Behandlung.
Zu Beginn und zum Ende der Studie füllten die Teilnehmer den sogenannten Oswestry Disability Index (ODI) aus, der den Schmerz- und Funktionsstatus von Rückenschmerz-Patienten erfasst. Anfangs lag der Wert beider Gruppen im Durchschnitt bei etwa 41 (während 100 das Maximum an Schmerzen und Einschränkung bedeutet). Wie erwartet, war der Wert nach drei Monaten in beiden Gruppen gesunken: in der Physiotherapiegruppe auf 7 Punkte, in der Gruppe ohne Physiotherapie auf 10.
„Dieser Unterschied ist nur moderat und klinisch nicht relevant“, schreiben die Forscher. Demzufolge reiche eine medikamentöse Behandlung bei akuten Schmerzen im unteren Rückenbereich aus. Nur wenn der Schmerz länger anhält, könnte Physiotherapie eine weitere effektive Therapiemöglichkeit bieten.

Physiotherapie zur Vorbeugung

Trotz der aktuellen Ergebnisse ist Physiotherapie für Rückenschmerz-Gefährdete wichtig: Betroffene können in ihrem Rahmen lernen, wie sie Rückenproblemen vorbeugen. Dazu zählen zum Beispiel spezielle Bewegungs- und Entspannungsübungen, das richtige Bücken, Heben und Tragen und das Einrichten eines rückenfreundlichen Arbeitsplatzes.
Außerdem sind regelmäßiger Sport und eine gesunde Ernährung wichtig für den Rücken. Bewegung stärkt Knochen und Muskeln und hält Gelenke und Bandscheiben gesund. Der Bewegungsapparat braucht aber auch Nährstoffe wie Fettsäuren, Kalzium, Fluorid, Vitamine, Magnesium, Bor, Selen und Zink. Zusätzlich hält viel Flüssigkeit die Stoßdämpfer zwischen den Wirbelkörpern gesund und elastisch.
Falls Verspannungen und Rückenschmerzen eine psychische Ursache haben, kann auch eine Psychotherapie hilfreich sein.
Quelle: J.M. Fritz et al. Early Physical Therapy vs Usual Care in Patients With Recent-Onset Low Back PainA Randomized Clinical Trial. JAMA. 2015;314(14):1459-1467. doi:10.1001/jama.2015.11648.
Artikel erschienen unter http://www.netdoktor.de/news/akute-rueckenschmerzen am 10.02.2016.

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