Fitnessübungen bringen nichts!

Fitnessübungen bringen nichts! Zumindest dann nicht, wenn sie so ausgeführt werden, wie das in Hochglanzmagazinen propagiert wird. Das Beinchen heben, die Ärmchen schlenkern und das ganze mit einer Wasserflasche (zwei könnte schon zu anstrengend werden) oder einem gelben Gummibändchen, mit dem Du von hier bis zum Supermarkt laufen kannst, ohne das es reißt.
Angaben wie: "Machen Sie drei Sätze mit je zwanzig Wiederholungen und Sie erreichen in vier Wochen Ihre Traumfigur" sind so schmerzhaft, wie die Bauchlandung, die sie nach vier Wochen "hartem" Training ereilt.

Use it or loose it

.... heißt die Kernaussage jeden Trainings. Den Körper zur Anpassung zwingen gelingt nicht mit Wasserfläschchen, sondern mit einem strukturierten Trainingsaufbau, welcher der Zielsetzung und dem Ausgangswert Rechnung trägt. Kraft = Masse x Beschleunigung! Wenig Masse schnell beschleunigt bringt ebenso wenig Erfolg, wie höchste Masse und Null Beschleunigung. Die Wahrheit liegt wie immer in der goldenen Mitte. Und  das ist so einfach, dass es kaum einer glauben mag.
Muskeln müssen belastet! werden, um zu wachsen. Muskeln müssen adäquat belastet werden, um Fett zu verbrennen und das gelingt selbst bei entsprechendem Gewicht nicht mit zwanzig oder mehr Wiederholungen, sondern mit einem Gewicht, dass mindestens 75 bis 80% der Maximalkraft entspricht. Dann sind 20 Wiederholungen utopisch. Und das belastet bis zum sogenannten "technischem Versagen". Das erreichst Du auch nicht mit einem Pilates-Training oder einem Biokinematik-Training. Diese Methoden verfolgen schlicht andere Zielsetzungen.
Ein großes Problem unserer heutigen Zeit ist die Tatsache, dass gemäß diversen Trends alles in einen Topf geworfen wird. Getreu dem Motto: Irgendwie wird schon etwas dabei sein, dass funktioniert. Tut es eben nicht. Trainingswissenschaft heißt nicht umsonst Wissenschaft. Das kommt von Wissen und das muss man vermitteln. Nur liest das in solchen Hochglanzmagazinen keiner.

bodybuilding.de

Fett verbrennt nur bei entsprechender Belastung und die liegt bei Studien zufolge im Mittelwert bei ca. 73% der maximalen Leistungsfähigkeit und nicht bei 50%, was den zwanzig Wiederholungen entspricht.
Muskeln verbrauchen rund um die Uhr Kalorien. Deswegen bringt Fettverbrennung ohne Muskelmasse nichts. Jeden Tag dreimal Bücken und ein bisschen im Garten arbeiten, macht noch keinen Frühling, schon gar keinen Sommer. Das ist gut, weil Du Dich bewegst und während dieser Zeit nicht herum sitzt, aber es macht keine dicken Muskeln. Nicht mehr, als Du zum Unkraut zupfen brauchst und das sind - glaube mir - nicht wirklich viele. Spazieren gehen verbessert die Fähigkeit, Spazieren zu gehen und nicht die Fähigkeit am Wochenende sechs Sprudelkisten zu tragen.

Muskulatur verändert sich

.... wenn sie es muss. Das heißt, wenn wir sie dazu zwingen, wenn Du an Deinen derzeitige Leistungsgrenze gehst. Da diese sich mit dem richtigen Training ständig verändert (hoffentlich nach oben), musst Du auch das Training richtig anpassen. Nicht ständig mehr Wiederholungen mit immer niedrigerer Intensität, sondern mit höherer Belastung, also mehr Gewicht, optimierst Du Dein Muskelverhalten.
Wer das nicht will, kann es lassen und soll mit dem zufrieden sein, was gerade da ist. Aber von dicken Mucks träumen ist definitiv der falsche Ansatz.
Kombinationen von verschiedenen Bewegungselementen machen dennoch Sinn. Jemand der Pilates trainiert, muss deswegen nicht auf den Muskelaufbau verzichten. Jemand der regelmäßig joggt, tut gut daran, seine Laufökonomie durch regelmäßiges Krafttraining wie oben beschrieben zu optimieren. Wer aber fünf mal in der Woche joggt, verfolgt definitiv eine andere Zielsetzung und muss sich nicht wundern, wenn die Zeit für kräftige Muskeln im Oberkörper und den Armen nicht reicht. Außer er läuft auf den Händen.

bildderfrau 2014

Erfolgsregel

.... belaste Dich bei jeder Übung mit maximal 12-15 Wiederholungen so, dass die letzten beiden Wiederholungen noch gerade so korrekt ausgeführt werden können (das sogenannte "Ausbrennen" des Muskels hat bezogen auf das neurologische System eher Nach- als Vorteile).
Du kannst gerne auch Übungen mit dem eigenen Körpergewicht machen (liegt ja momentan absolut im Trend). Aber dann gilt das Gleiche. Gestalte die Ausgangspositionen so, dass eben nicht mehr Wiederholungen möglich sind. Und sind sie es doch, dann verwende Zusatzgewichte.
Keine Angst, von viel Gewicht hat noch keiner Rückenbeschwerden bekommen und Arthrose ist auch kein Thema, wenn Du dem Körper Zeit genug gibst, sich an wachsende Belastungen anzupassen. Gerade diese Anpassungen sind es, die Dich stärker und kräftiger werden lassen.
Richtig bewegt hast Du Dich dann, wenn das Deo versagt.

-JP-

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