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Die Bedeutung des CardioScan im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung zur Ermittlung des "Stresswertes"

Praeventfit. war und ist eines der ersten Unternehmen auf dem Präventionsmarkt, das seit mehr als 10 Jahren mit einem CardioScan (Drei-Kanal-EKG) arbeitet.
Der CardioScan von Vicardio der zweiten Generation kommt in unserem Unternehmen vorrangig bei der Stressanalyse und zur Abklärung kardiovaskulärer Erkrankungen zum Einsatz.
Dabei hat sich das Verfahren vor allem als "Schnell-Check" als Ergänzung einer ausführlichen Anamnese vor einer geplanten Intervention im Trainingsbereich bewährt. Es kann und will nicht den Besuch bei einem Kardiologen ersetzen - gibt jedoch Aufschlüsse über bereits vorliegende Erkrankungen und deren Verlauf.


Messverfahren


Die Messverfahren vergleichbarer Geräte basieren in erster Linie auf der sogenannten HRV (Heart Rate Variabilitiy), also der Herzfrequenzvariation. Als Herzfrequenzvariabilität wird die Fähigkeit eines Organismus (Mensch, Säugetier) bezeichnet, die Frequenz des Herzrhythmus zu verändern. Auch im Ruhezustand treten spontan Veränderungen des zeitlichen Abstandes zwischen zwei Herzschlägen auf.


Hintergrund


Über autonome physiologische Regulationswege passt ein gesunder Organismus die Herzschlagrate beständig momentanen Erfordernissen an. Körperliche Beanspruchung oder psychische Belastung hat deswegen in der Regel eine Erhöhung der Herzfrequenz zur Folge, die bei Entlastung und Entspannung normalerweise wieder zurückgeht. Dabei zeigt sich eine höhere Anpassungsfähigkeit an Belastungen in einer größeren Variabilität der Herzfrequenz. Unter chronischer Stressbelastung ist beides dagegen wegen der beständig hohen Anspannung, die dafür typisch ist, mehr oder weniger eingeschränkt und infolgedessen reduziert. Gemeint ist dabei nicht der mess- und spürbare Herzschlag, sondern die Variabilität zwischen den einzelnen Herzschlägen.
Ein Herzschlag wird beim gesunden Individuum durch einen Impuls des Sinusknotens als zentralem Taktgeber des autonomen Erregungssystems des Herzens ausgelöst. Dieses steht seinerseits unter dem Einfluss des übergeordneten vegetativen Nervensystems, wobei über den Sympathikus ein aktivierender Einfluss ausgeübt wird, der u. a. eine Erhöhung der Herzfrequenz zur Folge hat. Körperliche und psychische Belastungen gehen mit einer Steigerung der Aktivität des Sympathikus einher, parallel zu der vom Vagus regulierte Körperfunktionen wie etwa Verdauung reduziert werden. Äußere Einflüsse (Reize), psychische Vorgänge (Gedanken) oder mechanische Abläufe (Atmung) greifen dabei komplex ineinander, können sich dabei aber je nach eigenem Gewicht auch unterschiedlich auf den Herzschlag auswirken.

Geschichte

Bereits im 3. Jahrhundert erkannte der chinesische Arzt Wang Shu-he (auch Wang Shu-ho oder Wang Hsi), dass ein variabler Herzschlag ein Zeichen für Gesundheit sei. Er dokumentierte dies in seinen Schriften Mai Ching / The Knowledge of Pulse Diagnosis. Da es keine Messinstrumente wie beispielsweise Stethoskop oder EKG gab, musste der Arzt sich sehr sensibel auf die Erfassung des Zusammenspiels der Körpersignale eines Patienten einstellen, um eine Krankheit daraus diagnostizieren zu können.
Das wird natürlich mit den heutigen modernen Messmethoden erheblich vereinfacht. Die Uhren der Firma Polar nutzen im Übrigen dieses Prinzip seit ihrer Einführung, um die Trainingsintensität bzw. den aktiven Herzfrequenzbereich zu bestimmen.

Stresswert

Die vorgenannten Erkenntnisse erlauben nun einen Wert zu definieren, der allgemein als Stresswert bezeichnet wird.
Interessant wird dies bei einer Folge von mehreren Messungen, d.h. über den Verlauf eines Tages, einer Woche, eines Monats. Die Zuverlässigkeit wächst mit der Vielzahl an Messungen. Mittels sehr aufwendiger und teurer Geräte lässt sich eine 24-Stunden-Messung realisieren, die einen sehr genauen Aufschluss über die tatsächliche Stress-Situation liefert. Die mittels eines CardioScan durchgeführten Ergebnis sind jedoch im Sinne einer "Einmal-Messung" von geringer Aussagekraft. Zumal der vorherige Verzehr von Kaffee, das vorherige zu sich nehmen von Speisen und Getränken wie auch das sogenannte "Weißkittel-Syndrom" die Ergebnisse beeinflussen.
Wir halten auf Grund der geringen Reproduzierbarkeit und den wechselnden Umgebungsbedingungen solche Messung im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements für wenig sinnvoll, zumal bereits bei Werten ab 20% Stresswert allgemein entspannende Übungen empfohlen werden, die ohne die entsprechende Anleitung und Atmungskohärenz kaum Wirkung entfalten.

Vorgehensweise

Wir verwenden daher das Messverfahren entweder im Rahmen eines Wochenprofils zu unterschiedlichen Tageszeiten, stets nüchtern (1-2 Stunden zuvor keine Nahrungsaufnahme), unter nahezu identischen Voraussetzungen (Raumtemperatur, gleiche Mess-Person, 1 Minute zuvor Ruhe ect.). Eigene Erfahrungen unterstützen diese Vorgehensweise.
Zusätzlich kommt als Biofeedback-Verfahren ein Sensor zum Einsatz, der mittels Infrarot die HRV misst und eine gezielte Steuerung über die Atmung erlaubt. Festgestellt wurde, dass bei so komplexen Reaktionen wie Liebe oder Dankbarkeit, die mit der emotionalen Reaktion der Freude verbunden sind, eine messbare Synchronisation der Rhythmen von Herz und Atmung (Respiratorische Sinusarrhythmie) erfolgt. Diese Balance zwischen Atmung und Herzschlag verschwindet jedoch bei Reaktionen wie Hetze („Stress“), Ärger oder Angst, die mit vermehrter Ausschüttung von Stresshormonen einhergehen.

Sie wollen mehr zu dem Thema erfahren? Schreiben Sie uns unter info(at)juergenpagel.de.

-JP-

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