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Beweg’ Dich, Du fauler Sack ...


Habe ich auf Grund der Überschrift Eure Aufmerksamkeit? Gut. dann können wir loslegen.

Wir werden angelogen. Verkäufer schlagt Hirn und Fachmann (-frau). Wider aller Logik glauben wir tatsächlich, dass ein bisschen viel hilft. Tut es nicht !

[...] Die Fitnessindustrie demontiert sich fleißig selbst weiter. Jeder Club mit den gleichen Versprechen: „Du hast nur 1x pro Woche Zeit? Kein Problem! Es reicht sogar, wenn Du nur 1x in 10 Tagen trainieren kannst." [...]
Quatsch mit Soße. Ohne Fleiß, kein Preis! No pain, no gain! Bewegung auf dem Niveau einer untrainierten Achtzigjährigen bringt auch Ergebnisse wie bei einem Training mit einer untrainierten Achtzigjährigen. Wer Kniebeugen machen können will, muss Kniebeugen machen. Wer schnell laufen lernen will, muss schnell laufen - unter anderem ;-).
Appropriate Physical Activity Intervention Strategies for Weight Loss and Prevention of Weight Regain for Adults; 2009: Um bewegungsmangelbedingtem Übergewicht zu begegnen, benötigt es mindestens 150 Nettominuten moderat gestaltetem Trainingsaufwand. Moderat heißt, in einem effektivem Trainingsbereich. Das sind 3 x 50 Minuten pro Woche oder 5 x 30 Minuten pro Woche. Und das mit einer Intensität von 70-80 % der maximalen Ausdauerbelastung oder der maximalen Kraft. Bei Letzterem möglichst noch über das ROM max (maximal mögliches Bewegungsausmaß).
Alles andere ist Käse. Nice to have. Aber es bringt halt nicht viel. Nicht viel? Warum nun wieder diese Einschränkung? Nun, weniger ist besser als nix. Es gibt gesundheitliche Einschränkungen, die lassen eine solche Intensitäten nicht zu. Dann darf es auch weniger sein. Gerade in meinem vor Kurzen  veröffentlichtem Artikel (https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4906462?src=soc_fb_171029_mscpmrk_detop5-10-v4) hinsichtlich der Therapie von KHK (Koronar Herzkrankheit) brachte ich zum Ausdruck, das selbst diese Patienten extrem gut reagieren und eine deutlich verminderte Mortalitätsrate nachweisen, wenn sie bis 75% der maximalen Ausdauerbelastung 3-5 mal pro Woche jeweils 30 bis 60 Minuten trainieren. Das gesteigerte kardiale Risiko ist nichts im Vergleich zu dem Mehrgewinn an Lebensqualität und Leistungsfähigkeit.

Also glaubt nicht den Quatsch der teils verlogenen Fitnessindustrie, die Euch weiß machen will, dass 10 Minuten pro Tag und ein paar Vitaminprodukte reichen. Wie auch? Wir sitzen im Durchschnitt mindestens 800 Minuten pro Woche. Da sollen 70 Minuten pro Woche effektiv entgegenwirken? Nein. Definitiv nicht. Und allen Weicheiern sei gesagt: Wer länger sitzt, ist früher tot. Punkt.

Also bewegt Euch. Egal wie. Hauptsache intensiv. Und Hausarbeit ist nicht intensiv. Intensiv ist es, drei- bis fünf mal pro Woche ohne Pausen und Kaffeekränzchen 30 bis 60 Minuten ein Training zu absolvieren, bei dem Ihr schwitzt. Ungeschwitzt duschen ist wie ein Brot ohne Butter. Geht schon. Ist aber irgendwie sinnfrei. Wenn Ihr nicht wisst, wie hoch Euer Trainingspuls dabei sein soll, nutzt die Karvonen-Formel (TrainingsHF = (220 – Lebensalter – Ruhepuls) x Faktor + Ruhepuls). Diese Formel ist nicht optimal und bei herz- (auf Grund des in aller Regel verordneten Beta-Blockers) oder stoffwechselkranken Menschen nur eingeschränkt anwendbar. Aber denjenigen sei eine eingehende Untersuchung mit einer Belastungsspiro- oder ergometrie bei einem erfahrenen Kardiologen empfohlen. Sportler dürfen sich auch gerne an die sportmedizinischen Untersuchungsstellen des Landes wenden. Aber es ist besser, als nichts. Beispiel Ausdauer: 55 Jahre Jung, Ruhepuls 60 Schläge/ Minute. Ergebnis: 220 - 55 = 165; 165 - 60 Ruhepuls = 105;  105 x beispielsweise 70% Intensität = 73,5 + 60 Ruhepuls = ca. 133 Schläge/ Minute während des Trainings. Das ist doch mal eine Ansage. Und das bitte Netto. Und eine halbe bis eine Stunde. Und wenn der Kardiologe bei einem Patienten nach Herzinfarkt sagt, er darf bis 120 Schläge/ Minute belasten, dann sollte der das auch tun. Wer jetzt noch glaubt, 10 Minuten täglich reichen zum Abnehmen oder Gewicht halten oder Fit werden, muss noch einmal von vorne anfangen!



Wer Angst hat, das könnte zu viel für ihn werden, sucht sich einen verantwortungsbewussten und erfahrenen Trainer, dem er ein- oder zweimal pro Woche ein anständiges Gehalt zahlt, damit er anfänglich die Kontrolle übernimmt und diese Woche für Woche an seinen Klienten abgibt, damit dieser lernt, seinem Körper zu vertrauen und die ersten sichtbaren Ergebnisse sein eigen nennen darf. Irgendwann sollte das alleine machbar sein.
Regelmäßige ärztliche Kontrollen runden das Programm für’s Leben ab.

Lasst Euch nicht vera... Schmeißt kein Geld aus dem Fenster für eine Matte und zwei pinkfarbene Hanteln. Spart Euch das Geld für ein Studio, in dem ihr auch schon wieder sitzt. Nämlich auf den Geräten. Macht einen Pilates- oder Yoga-Kurs und ergänzt das einmal wöchentliche Training dort mit Laufen, Radfahren und einem effektivem Heimtrainingsprogramm mit dem eigenen Körpergewicht. Ihr wisst nicht wie? Fragt Euren Trainer. Der verrät es Euch. Und seid versichert. Es bleibt genug Zeit für die anderen schönen Dinge des Lebens. Denn 150 Minuten Training sind 150 Minuten von 10.080 Minuten in der Woche ;-). 1,5 % von Hundert. Da bleiben noch 98,5% übrig.

Klingt gut? Dann fangt an.

Euer Jürgen 
Praeventfit

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