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Gedanken zur Demonstration der #Therapeuten in Köln - Bewegt euch, sonst WERDET ihr bewegt!


[...] Für mich persönlich war die Teilnahme an dieser Demo ein tolles Erlebnis. Ich hätte es vermutlich bitter bereut, nicht dabei gewesen zu sein - sein zu dürfen, Teil einer Bewegung sein zu dürfen, die Berge versetzen und Mauern einreißen kann (gerade die Kolleginnen und Kollegen aus dem besagten Osten der Republik sollte wissen, was ich meine) [...]

Ich war das erste Mal in meinem Leben auf einer Demo. Meine Frau hat es nicht verstanden. Meine Tochter fand das geil. Und ich .... ich fand es auch geil. Ich fand es toll, dass ca. 4000 Therapeuten (ja richtig, THERAPEUTEN) - keine Physiotherapeuten, sondern Ergotherapeuten, Logopäden, Podologen und EIN Verband (nämlich der VDB) den Weg zum Dom beschritten haben. Ach ja, ein paar Physiotherapeuten waren auch dabei. 4.000 von 300.000. Wo waren die anderen 296.000?

Ok, aus Oberschwaben ist der Weg weit. Aber das Argument, dass es zu teuer mit der ganzen Familie wird, lasse ich nicht gelten. Dann kommt man eben nicht mit Kind und Kegel, sondern alleine. Gerade die Kolleginnen und Kollegen aus dem Osten - das sind übrigens diejenigen, die Facebook am lautesten schimpfen, haben viele Ausreden parat, warum sie nicht gekommen sind. Ein paar Hundert waren da. Wo war der Rest?

Ich bin Morgens um 07:30 Uhr losgefahren, habe Heiko Schneider in Frankfurt abgeholt. Wir sind nach einem gemütlichen Frühstück weiter nach Köln gefahren, nach der Demo noch sehr nett und konstruktiv zusammen gesessen und dann wieder nach Hause gefahren. Heiko habe ich um 23:00 wieder in Frankfurt abgesetzt und ich selbst war um 0:48 Uhr wieder zu Hause.
Und? Problem? Nee, gar nicht. Super tolle Gespräche geführt, fantastisch nette Leute kennengelernt und 60 Euro für Sprit und 15,30 Euro für das Parkhaus direkt am Ausgangspunkt der Demo ausgegeben. Mir geht es finanziell auch nicht soooo gut. Aber das war es wert.

Ich glaube mittlerweile, das ist alles ein großer Test. Ein großer Test, wie lange wir uns noch von der Politik, vor allem von den Verbänden (mit Ausnahme des VDB, der die Zeichen der Zeit erkannt hat), vera.... lassen. Die Krankenkassen lasse ich hier einmal bewusst außen vor, denn sie sind auch nur ein Instrument der Politik und es gibt durchaus Anzeichen, dass die Verhandlungen in der Vergangenheit anders hätten geführt werden können, wenn man nur gewollt hätte.



Und ich denke, dass leider die Mehrzahl der Kolleginnen und Kollegen nicht annähernd begriffen hat, um was es geht. Nämlich nicht nur um mehr Geld, Ausbildungsgehalt, Schulgeldfreiheit usw., sondern um Unabhängigkeit des Berufsbildes, um grundlegenden Änderungen in der Berufspolitik, um Blankoverordnung und Entbürokratisierung u.a.m., es geht um den FORTBESTAND der Berufsbilder der Ergotherapie, der Physiotherapie, der Logopädie - ja um den FORTBESTAND des gesamten Gesundheitssystems. Bricht das zusammen (und Anzeichen dafür sieht man allerorten), ist das der Beginn des Endes von einem Staatssystems, wie wir es bisher kannten.
Es geht also um mehr, als um uns. 4.000 sind klasse. Aber wenigstens 10.000 wären machbar gewesen, wenn einfach mehr Leute ihren Arsch hochkriegen und nicht vor lauter Angst vor Veränderungen sich ihr Dasein permanent schönreden.

Ich hatte während der Fahrt mit Heiko lange Zeit, mit mit ihm über die Zustände und die Problematik zu diskutieren. Was ich von ihm über die vielen tausend Briefe, die ihn erreicht haben (#therapeutenamlimit), erfahren durfte, hat mich sehr berührt. Da sind richtig brutale Schicksale dabei. Und sie sind keine Einzelfälle. Diskussionen bei der Demo haben mich betroffen gemacht, wie viele Therapeuten vor der Realität die Augen verschließen und nun erschrocken aufwachen - mit einem Ausblick auf 700 Euro Rente Brutto. Und das sind aber dann schon die Spitzenverdiener.

Geht es euch Selbstständigen allen so gut, dass ihr euch bequem in den Sessel legen könnt - mit dem Ausblick auf einen entspannten Monatsumsatz von 10.000 Euro? Habt ihr 120.000 Euro im Jahr? Nein? Dann Arsch hoch und nutzt die nächste Gelegenheit!!!
Ja? Gratuliere. Alles richtig gemacht. Dann trotzdem Arsch hoch und unterstützt diejenigen, denen das nicht gelingt. Es waren einige Kollegen auf der Demo, die solche Beträge verdienen und sie haben einen tollen Support geliefert. Lieben Dank dafür.

Das nennt man übrigens EMPATHIE! Ganz ganz wichtig in unserem Berufsbild. Aber Empathie und Umsatz schließen sich Gegenseitig nicht aus.

Das ist RESPEKT! Respekt vor der Leistung der Organisatoren. Chapeaux - SENSATIONELL!
Für mich persönlich war die Teilnahme an dieser Demo ein tolles Erlebnis. Ich hätte es vermutlich bitter bereut, nicht dabei gewesen zu sein - sein zu dürfen, Teil einer Bewegung sein zu dürfen, die Berge versetzen und Mauern einreißen kann (gerade die Kolleginnen und Kollegen aus dem besagten Osten der Republik sollte wissen, was ich meine).

Mein ganz besonderer Dank gilt dem Orga-Team der [Vereinte Therapeuten] [ ! Allen voran Thomas Etzmuß. Sein unerschütterlicher Wille, sein Engagement und seine Begeisterung sollte uns allen Vorbild sein.
Heiko Schneider wünsche ich allen Erfolg der Welt - bei seiner Radtour nach Potsdam. Im Gepäck drei Ordner voll mit Einzelschicksalen, die für viele tausend Therapeuten stehen. Ich wünsche ihm jede Menge Gehör seitens der Politiker.

Ich wünsche mir noch viele Veranstaltungen, viele gute Gespräche. Und ich wünsche mir ein Auswechseln der „Altvorderen“ in den Verbänden, die ihre Pfründe sichernd die Sorgen der Basis aus den Augen verloren haben. Ich wünsche mir, dass dieser Austausch durch aktive Beteiligung der Mitglieder zustande kommt. Auch ein Austritt ist eine Form der Aktivität. Fordert Ergebnisse. Ihr seid die Macht. Ihr legitimiert die Vorstände. Ihr könnt sie auch wieder abwählen. Ihr könnt es bewegen. Wir alle können etwas bewegen.

ALSO BEWEGT EUCH!

Jürgen Pagel

www.praeventfit.de

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