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Klartext - mal wieder Zeit für deutliche Worte



Klartext - es wird mal wieder Zeit für ein bisschen Klartext!


Betrachten wir es doch einmal nüchtern und ohne die übliche rosarote Brille.

Was wurde seit Mai 2018 für die Heilmittelerbringer erreicht (die Jahre davor klammere ich einfach mal aus)?

Demo in Köln, Aktionen Brandbriefe, TAL und später PAL wurden in’s Leben gerufen, Rote Karte, Gelbe Karte, Treffen mit Herrn Spahn und ausgewählten HME, Treffen mit Herrn Spahn auf Einladung des SHV (dieser Termin ist aber nicht den Aktionen zuzuschreiben, sondern wurde bereits im April geplant).


Konkrete Ergebnisse 2018?

Steigerungen um ca. 20% bis heute (10% sollen noch folgen), dabei ist jedem klar, dass damit noch einmal annähernd die Versäumnisse durch die bis 2017 bestehende GLS-Bindung aufgehoben wurden.

Sonst? Viel geredet. Ein bisschen gelogen, das eine oder andere Papier vollgeschrieben (Sofortprogramm Dr. Roy Kühne, Eckpunktepapier Jens Spahn), nach wie vor bestehende Forderungen seitens der Verbände (welche so unterschiedlich sind, wie die Verbände selbst) wurden erneut bekräftigt.

Fertig! Habe ich etwas vergessen?

Und ja. Die Erkenntnisse reifen. Ich hatte mir das auch anders vorgestellt. Aber mein Weltbild wurde in den vergangenen drei Monaten mehrfach erschüttert. Das ist also nichts Neues.


Bitte nicht schon wieder etwas hinein interpretieren, was da nicht steht. Nicht wieder facebooktypisch den Knüppel rausholen und losprügeln. Einfach nur sacken lassen. Den Initiatoren gebührt Respekt und Achtung vor der Leistung. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, etwas verändern zu wollen.

Hier geht es überhaupt nicht darum, irgendetwas oder irgendwen schlecht zu reden.

Die Frage ist nur, was wurde erreicht, wann wird es erreicht werden und wird es überhaupt jemals erreicht?


Was wurde erreicht? Nichts! Geredet und geschrieben wurde vorher auch schon. Im Gegenteil. Die AOK Bayern setzte sich jüngst über bestehende Verträge hinweg. Einfach so. Sie tut es halt, weil sie es kann. Erst auf massivstes Intervenieren seitens der Verbände (geht doch - nicht auf Betrieben irgendwelcher Aktionisten) wurde die Regelung vorerst auf Eis gelegt. Die AOK Sachsen-Anhalt geht in’s Schiedsverfahren und legt es darauf an, zu verlieren, um dann im nächsten Zug klein beizugeben.


Wann wird es erreicht? Ohje, das kann dauern. Viele Monate bis Jahre. Einige der Punkte aus dem sogenannten Eckpunktepapier von Herrn Spahn können so gar nicht umgesetzt werden bzw. bedürfen der parlamentarischen Mehrheit sowie einer Abstimmung im Bundesrat. Sie sind also an gesetzgebende Verfahren gebunden und die dauern bekanntlich (zumindest dann, wenn die Regierung etwas GEBEN soll) sehr lange. Kann ja auch nicht anders sein, denn mehr als 30 Jahre lang wurde sehr bescheiden verhandelt (zweifelsfrei auch deshalb, weil es unter den gegebenen Umständen nicht anders ging) und dann kann das jetzt nicht plötzlich aus dem Ärmel kommen.


Wird es jemals erreicht werden?

Also der Direct Access, die Blankoverordnung, die Schulgeldfreiheit in GANZ Deutschland, noch einmal mindestens 28% mehr Vergütung für die Praxisinhaber, damit mindestens 20% mehr Gehalt auf die Einsteigereinkommen dabei herauskommen, Einbindung der Zertifikate in die Ausbildung, Vollakademisierung - welcher Herr Spahn bereits eine klare Absage erteilt hat, obwohl in jedem anderen Land dieser Welt die Ausbildung vollakademisiert IST. Umstrukturierung der Berufsfachschulen zumindest teilweise in Fachhochschulen mit Neuinstallation des Lehrapparates, neuer Curriculae für die Ausbildung, neuer und erweiterter Praktikantenplätze, verbunden mit einem konsequenten Umdenken in der bisherigen Therapiestruktur in nahezu ALLEN Praxen und Zentren. Aufsetzen einer neuen Vergütungsstruktur und einem einheitlichen Verhandlungssystem. Einbeziehung telemetrischer Daten in die Therapie (Guten Morgen, lieber Datenschutz, puh.). Habe ich etwas vergessen? Bestimmt. Aber das macht es nicht einfacher.

Letztendlich alles Dinge, die man seit mehr als 30 Jahren mit etwas Weitsicht, weniger Egoismus, mehr und besserer Regierungspolitik konsequenterweise zu einem großen Teil hätte umsetzen MÜSSEN. Ein paar Dinge hatte man ja schon lange auf dem Schirm.

DA - Absage, Blanko - es folgt der gefühlt 100. Modellversuch, Schulgeldfreiheit - in ein paar Bundesländern, aber BW beispielsweise wird das nicht vor 19/20 anpacken. 28% noch einmal on Top - Hr. Spahn war dem nicht zugeneigt und die Krankenkassen werden sich hüten, sie holen es jetzt schon hinten herum wieder herein. Vollakademisierung - Absage. Curriculae - werden kommen, aber weiterhin mit Zertifizierung. Neue Vergütungsstruktur - macht Sinn mit dem SHV, da sind aber nicht alle Verbände dabei, also erst einmal nicht. Sitz im GB-A - vielleicht, ändert aber am bestehenden Problem auch nichts.


Wird das jemals erreicht werden? Ich denke ja. Das ist die gute Nachricht. Die Schlechte ist: Sehr wahrscheinlich nicht in meinem Leben. Ich bin nun 60 Jahre alt oder jung. Je nachdem. Vielleicht werde ich nur 65 Jahre. Ok, das ist dann gut für euch. Traurig für meine Frau und meine Kinder. Oder 80 Jahre. Dann ist es mir egal und für euch ist es denkbar schlecht. Richtig schlecht. Denn dann wird es unseren schönen Beruf in dieser Form nicht mehr geben. Auch gut. Dann eben anders. Aber nicht mit einem Bruchteil von erfüllten Forderungen. Dann machen Putzfrauen den Job (die jetzt schon nicht unter 15 Euro arbeiten) - so wichtig sind wir!


Wir sind eine Randgruppe und werden es bleiben. Und mit Randgruppen macht man in aller Regel kurzen Prozess. Friss oder stirb. Weil die nicht relevant sind. Nicht relevant als Wählergruppe, nicht relevant zum Geld einnehmen und blöderweise auch nicht relevant bei den Ausgaben (schließlich schlagen bei den Krankenkassen die Fahrtkosten fast gleich hoch zu Buche).

Die derzeitige Regierung ist gerade dabei, sich zu zerlegen. Die Freude über Anträge Der Linken oder der AfD ist verfrüht und unsinnig. Die können nur stören, aber nichts bewegen. Die regierenden Parteien sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie die Probleme der Pfleger, geschweige denn einer solchen Minderheit wie den Heilmittelerbingern WIRKLICH ERNSTHAFT interessiert. Tut es nicht. Alles nur Schein, Schauspiel, Taktik. Da wird es keinen Paukenschlag geben, der alle befreit. Das war einmal. Zur Sklavenzeit. Aber das ist lange her. Und selbst das ging nicht von heute auf morgen.

Um das alles auf die Reihe zu bekommen - das geht sehr einfach und nachhaltig -  müsste das gesamte Gesundheitssystem verstaatlicht werden. So falsch ist eine Zentralisierung nicht. Zentrale Bestellung, zentrale Ausgaben, zentrale Einnahmen (endlich hätte der Bürger mal eine vernünftige Steuerungsmöglichkeit über sein eigenes Verhalten). Aber das wird nicht passieren. Alles gut. Es bleibt, wie es ist. Nur sehr viel komplizierter. Woher ich das weiß? Ich weiß es halt. Erfahrung und Empire - oder hat jemand andere Erkenntnisse aus den vergangenen 100 Jahren (außer die Geschichte mit dem Krieg - aber das war auch nicht wirklich eine gute Lösung).


Was also tun?

Demzufolge sind die eingeschlagenen Wege die Falschen.

Richtig wäre es m.E., Gespräche mit denen zu führen, die von uns am meisten “geschlagen” werden - den Vorständen der Krankenkassen. Denn von denen bekommen wir unser Geld und die Politik wird nichts tun, das zu ändern. Wer nichts gegen betrügerische DEUTSCHE Autofirmen tut, der tut auch nichts gegen die Lobbyverbände der Pharmaindustrie oder der Ärzteschaft und schon mal gar nicht etwas gegen ein System, dass der Staat selber erfunden hat - so wie noch niemals eine Steuer zurückgenommen wurde, die der Staat - also Deutschland - erlassen hat.

Vorstandsgespräche auf Augenhöhe. Wenn Du mir gibst, bekommst Du von mir - oder so ähnlich. 

Ein weiterer Weg wäre, endlich mal den Patienten auf die Füße zu treten. So richtig. “Nein, sie behandle ich nicht. Zu billig”. Aufhören mit dem Bei- und Mitleidsgetue mancher Kollegen. “Ach, ich habe meine Patienten so lieb”. Ja mag sein, aber die dich nicht. Die tun nur so, solange sie das bekommen, was ihnen ihre Krankenkasse verspricht.

Auch sinnvoll erscheint es mir, nicht ständig von Kollegen zu schreiben, die am Abgrund stehen, aber niemand kennt irgendwelche Zahlen, wie viele das denn nun letztendlich wirklich sind.

Was aber mehr bringt, sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen bei den selbstständigen Kollegen Einzug halten zu lassen - wie das der eine oder andere Kollege bereits praktiziert. Sind diese Kennzahlen schlecht, macht man den Laden zu, bevor größeres Ungemach droht und hält das Ding nicht mit privaten Rücklagen irgendwie am laufen. Ein wenig mehr Realitätsbezug täte dem einen oder der anderen ganz gut.

So ungefähr. Dann muss halt auch mal eine Praxis schließen. Ja, wenn das die 238. Praxis in einer 150.000 Einwohnerstadt war, ist das eben so. Das ist schlimm. Keine Frage. Und das tut mächtig weh. Klar. Ändert aber nichts. Die Fehler wurden im Vorfeld gemacht. Meistens. Vielleicht sollte es einen Hilfsfonds bei den Verbänden geben. Wäre auch mal ein netter Zug.

Ach, mir fallen da noch ein paar Sachen ein.


Aber vor allem müssen wir selber etwas Sinnvolles tun, analysieren, Pläne schmieden, nicht verzagen, nicht ständig jammern und permanent auf Leute “einschlagen”, die am bestehenden Umstand wenig bis nichts ändern können und auch nicht wollen - weil es denen ganz prima geht - so wie es ist!


In diesem Sinne

Jürgen 


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