Mir wird ...

... ja neuerdings vorgeworfen, Panik zu verbreiten.

Ausblick auf die Zeit nach Corona

Nein, keineswegs. Panik entsteht durch Strategie- und Perspektivlosigkeit. Dazu gibt es keinen Grund. Trotz aller Nachrichten - auch solchen über das, was uns nach Corona erwartet. Die sind nicht von der Hand zu weisen, müssen Beachtung finden. Weil sie Bestandteil der Strategie sind, die nach Corona folgen muss.


Bild Pixformance Sport GmbH

Die Forderungen nach Lösungen sind letztendlich die Gleichen, wie vor Corona.

1. Konsequente Hinführung zum Digitalen.
Die Mehrzahl der Patienten im Segment der Physiotherapie sind keine Notfallpatienten (das ist auch nicht unsere Kernkompetenz, wenn auch von Herrn Söder fälschlicher Weise so dargestellt), sondern chronische Schmerzpatienten mit unspezifischen Beschwerden entlang der gesamten Wirbelsäule sowie der großen Gelenke. Davon lassen sich zweifelsfrei ein großer Teil (geschätzt mind. 50%) hervorragend digital mobilisieren. Die Möglichkeiten dazu sind bereits vorhanden (beispielsweise Pixformance). Dazu ist ein geringes Invest erforderlich, dass sehr schnell zur Rentabilität geführt werden. Konsequentes Umdenken wirkt bisweilen wahre Wunder. Mehr aktive Bewegung, weniger passive Maßnahmen.
Solche und ähnliche Maßnahmen wurden bereits mehrfach von mir vorgestellt.

2. Umdenken bei den gesetzlichen Krankenkassen.
Damit die oben beschriebenen Lösungswege ebenso konsequent umgesetzt werden können, bedarf es der Bereitschaft des Umdenkens nicht nur bei den Therapeuten, sondern auch bei den Krankenkassen. Sie müssen sich gegenüber digital gestützten Therapien und Maßnahmen gegenüber öffnen und diese in ihre Vergütungsmodelle einbeziehen. Solange sie dieses nicht tun, bleiben die wenigen Vordenker der HME alleine und sehen sich permanenter Kritik ausgesetzt.

3. Umdenken bei den Patienten
Unsere Aufgabe und das war es auch schon vor Corona, ist die Edukation. Aufklärung über relevante Möglichkeiten der therapeutischen Intervention, Motivation zur Eigenaktivität sind wichtiger denn je. Leicht lassen sich auch in diesen Zeiten Programme entwickeln, die den Umgang mit dem eigenen Körpergewicht schulen und mit einfachsten Mitteln für ausreichend Kraft, Geschicklichkeit und Beweglichkeit sorgen - ohne jedesmal einen Therapeuten aufsuchen zu müssen. Die Bereitschaft, hierbei deutlich mehr zu investieren, als das bisher der Fall ist, erscheint mir zwingend erforderlich. Allerdings sollten professionelle Programme auch von den Krankenkassen entsprechend gefördert und unterstützt werden. Kein Therapeut arbeitet gerne kostenlos.

4. Bereitschaft zur Veränderung
Wir alle benötigen in dieser schweren Zeit eine erhöhte Bereitschaft zur Veränderung. Es mag sein, dass unsere Berufe an Bedeutung gewinnen. Aber Corona sollte jetzt nicht zum Freibrief werden. Wir brauchen weiterhin ein geordnetes Vorgehen. Hierfür tragen wir alle die Verantwortung.
Unsere Berufe werden nach Corona nicht mehr dieselben sein. E-Learning und E-Therapy werden einen enormen Aufschwung erfahren. Daran teilzunehmen muss unser gemeinsames Ziel sein. Die Berufslandschaft wird sich wandeln. Weniger Therapeuten bedienen mehr Patienten. Setzen wir die Lösungsvorschläge konsequent um, werden Therapeuten und Patienten die Gewinner sein, die gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.


Bild YouTube Tim Maller

Die Karten werden neu gemischt. Wir sollten schauen, dass wir das beste Blatt bekommen.

(c) Jürgen Pagel 2020

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