So schnell ändern sich die Zeiten .....

.... das ein Update meines letzten Postings erforderlich wird.

Ein Kommentar von Jürgen Pagel

Wir sind SYSTEMRELEVANT. Tatsächlich. Das wurde nun auch aus Regierungskreisen bestätigt. Aber das soll nicht der Aufhänger von diesem Artikel sein. Es geht vielmehr um die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Und ich möchte auch nicht weiter auf diesem Begriff „Herumreiten“.

Es ist mittlerweile deutlich geworden, dass eine Schließung der Therapieeinrichtungen nicht möglich ist. Da offenbar die Primärversorgung weiterhin stattfinden soll, erscheint es auch angebracht, die Sekundärversorgung aufrecht zu erhalten. Das habe ich verstanden.

Eine Schließung heilmittelerbringender Einrichtungen durch eine Allgemeinverfügung birgt gem. §56 des Infektionsschutzgesetzes die Gefahr, dass Entschädigungen nicht geleistet werden. Gleiches gilt auch für die „freiwillige“ Schließung durch den Heilmittelerbringer selbst.
Mit entsprechenden Entschädigungsansprüchen kann nur rechnen, wessen Einrichtung vom örtlichen Gesundheitsamt auf Anordnung geschlossen wird - sei es wegen Quarantäne oder dem Auftreten eines nachgewiesenen SARS-CoV2-Falles. Nach wie vor sind auch diesbezüglich Fragen offen, beschäftigen die Gemüter, führen zu viel Aufregung in den sozialen Medien und es wäre angebracht, hier zusammenfassend für eine rechtlich haltbare Klärung zu sorgen.

Ich möchte hier dennoch persönlich meinen Dank an die Bundesregierung richten, welche - trotz aller wirtschaftlichen Fehler in der Vergangenheit - umsichtig und vernünftig handelt. Wer schnell entscheiden muss, macht Fehler. Keine Frage. Es läuft nicht alles rund. Aber es läuft. Diese Fehler zu erkennen und sie schnell zu korrigieren - darauf muss das Hauptaugenmerk gerichtet sein.

Somit ist die Forderung nach einer Schließung der Praxen ohne eine solche Anordnung der Gesundheitsämter obsolet. Der finanzielle Schaden - von damit verbundenen menschlichen Schicksalen einmal abgesehen - wäre immens. Zumindest unter finanziellem Aspekt. Der hygienische Standpunkt muss ein anderer sein (siehe weiter unten).

Umso dringlicher ist eine Entscheidung dahingehend, systemrelevante Einrichtungen bestmöglich zu unterstützen. Das muss schnell geschehen. Zeitnah. Gemäß den Aussagen von Herrn Altmeier wird dies spätestens nächste Woche der Fall sein.
Finanzämter sind angehalten, großzügig zu verfahren und Stundungen zu gewähren (was sie bisher - so zumindest meine eigene Erfahrung - nicht tun). Banken sind lt. Herrn Altmeier angehalten, keine Bonitätsprüfung vorzunehmen. Die Kredite über die KfW gelten als abgesichert (90%) und bergen für die lokalen Banken kein Risiko.
Wenn das tatsächlich alles konsequent umgesetzt wird und sich jeder daran hält, werden wir alle diese Krise zwar angeschlagen, aber dennoch überstehen. Das da niemand ungeschoren davon kommt ist zumindest mir klar. 
Aber es ist mir auch wichtig, hier mal ein positives Signal zu setzen. Es wird ein nach der Krise geben. Nichts wird mehr so sein, wie es war. Aber es könnte auch besser werden. Die nachbarschaftlichen Kontakte nehmen zu - zwar auf gehörige Distanz, aber sie nehmen zu. Das erste Grillen ist schon in Planung. Ausreichend Abstand ist gewährleistet. Noch gehen wir regelmäßig mit unserem Hund spazieren, genießen die frische Luft und den Sonnenschein. So kann man auch dieser eigentlich unerträglichen, noch nie da gewesenen Situation begegnen. Ich hoffe und wünsche, dass wir von Ausgangssperren verschont bleiben.
Die finanziellen Probleme sind irgendwie erdrückend, die Aussichten nicht rosig. Aber wir versuchen, uns diesen Gedanken zu stellen, kreativ zu sein und das auch als Chance zu sehen.

Etwas ganz anderes ist es, wenn Kolleginnen und Kollegen in unhaltbaren Zuständen in Einrichtungen arbeiten müssen, in denen der Infektionsschutz alles andere als sichergestellt ist. Zu wenig Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe nur einmal am Tag zu wechseln und zwischen durch zu desinfizieren. Vor wenigen Wochen nicht vorstellbar und dieser Umstand hätte zur sofortigen Schließung geführt. In Deutschland. Wo wir immer dachten, dass es bei uns alles im Überfluss gibt.
In Therapieeinrichtungen zu arbeiten, die als virale Bruthöhle betrachtet werden dürfen, wo Kinder und alte Leute ein und aus gehen. Ohne umfassende Schutzausrüstung, wo doch gerade das gem. Frau Merkel und der Infektionsschutzexperten unbedingt vermieden werden sollte.


Bild Wikipedia

Es macht in meinen Augen wenig Sinn, Therapeuten zu heroisieren und ihnen Altruismus an‘s Herz zu legen. Infektionsschutz und Eigenschutz geht vor Altruismus. Alles andere ist vor allem eines - unvernünftig. Hier müssen Lösungen her. Ebenso schnell und unbürokratisch. Systemrelevante Einrichtungen müssen vorrangig beliefert werden. Es muss zentrale Stellen geben, in denen das erforderliche Material unkompliziert bestellt und geliefert werden kann. Und zwar in dem Umfang, in dem tatsächlich benötigt wird.
Dort, wo das nicht gewährleistet werden kann, ist eine solche Einrichtung durch das zuständige Gesundheitsamt aus dem Verkehr zu ziehen. Es können nicht jahrzehntelang Regeln und Gesetze veranlasst werden, die schon unter Normalbedingungen Praxisinhabern das Leben schwer gemacht haben, die nun ohne Anordnung einfach außer Kraft gesetzt werden. Fehlen diese Anordnungen geht jeder Praxisinhaber im Rahmen der gültigen Gesetzgebung vollständig in die Haftung. Das werden auch die Gerichte - sofern sie irgendwann ihre Arbeit wieder aufnehmen - auch so sehen.
Wir können und dürfen nicht mit dem Argument der Durchseuchung aufwarten und unsere Mütter und Väter an‘s Messer liefern. Das darf niemals passieren. Jeder Tote ist ein Toter zu viel! Deswegen gilt es, die Infektionsketten so nachhaltig wie möglich zu durchbrechen, um der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes Zeit zu geben! Flatten the curve!

Wir sollten deswegen zusammenstehen, uns nicht wieder als Berufsgruppe auseinander dividieren lassen, wie das 2019 schon einmal geschehen ist. Wir sollten gemeinsam geschlossen und stark gegenüber Institutionen und Regierung auftreten sowie für ein Sicherstellen der Infektionsunterbrechung eintreten. Hier liegt m.E. der Schlüssel.

(c) Jürgen Pagel 2020

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