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Welche Bedeutung haben videogestütztes Training und Therapie in und nach der Corona-Krise?

Diesmal geht es nicht um Infektionszahlen. Die kennst du mittlerweile sicher zur Genüge. Sondern es geht vielmehr um das, was während der Corona-Krise verstärkt Einzug gehalten hat und uns danach bleibt bzw. bleiben sollte.

Das videogestützte Training bzw. die videogestützte Therapie.
Prof. Dr. Johannes Moskaliuk hat in seinem Blog einen - wie ich meine - interessanten Artikel zum Thema “Tele-Rehasport: Was dagegen spricht.” verfasst. Diesen Artikel möchte ich an dieser Stelle aufgreifen und zum Anlass nehmen, das Themenfeld zu erweitern.

Es ist keineswegs meine Absicht, nur den Rehasport zum Anlass nehmen, dieses Thema aufzugreifen, sondern ich berücksichtige auch andere Bereiche der therapeutischen Tätigkeit sowie des Personal Fitness Trainings.

Rehasport
Auszug Wikipedia: [...] Rehabilitationssport, kurz Rehasport, ist eine für behinderte und von einer Behinderung bedrohte Menschen entwickelte Leistung mit dem Ziel, die Betroffenen auf Dauer in das Arbeitsleben und in die Gesellschaft einzugliedern. Es handelt sich hierbei um eine ergänzende Maßnahme nach § 64 Abs. 1 Nr. 3 und 4 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch(SGB IX). Er wird primär von den Krankenkassen mit dem Ziel der Hilfe zur Selbsthilfe zur Verfügung gestellt und über einen begrenzten Zeitraum bewilligt.

Die Kostenträger des Rehabilitationssports können die Rentenversicherung, die Krankenkasse oder die Unfallversicherung sein. Die Dauer der Maßnahmen reichen von 6 Monaten bis zu 36 Monaten und sind mit der jeweiligen Indikation verknüpft. Die Verordnung muss durch einen Arzt ausgestellt werden. Die Durchführung wird in Gruppen, mit dafür speziell ausgebildeten Übungsleitern sichergestellt. Neben der Rehabilitation, soll der Übende motiviert werden, nach dem Ablauf der Leistung weitere Übungen in Eigenverantwortung durchzuführen. Seit Inkrafttreten des SGB IX zum 1. Januar 2001 besteht ein Rechtsanspruch auf Kostenübernahme für den Rehabilitationssport. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Kostenübernahme eine Ermessensleistung. Rehabilitationssportler werden oft später im Behindertensport aktiv.

Verordnet werden können als Erstverordnung durch einen zugelassenen Arzt:

  • 50 Übungseinheiten in 18 Monaten (Regelfall)
  • 120 Übungseinheiten in 36 Monaten (nur bei festgelegten bzw. chronischen Erkrankungen möglich)

Diese erfolgen zu festen Zeiten in geleiteten Übungsgruppen durch entsprechend qualifizierte Übungsleiter nach Punkt 14.1 und 14.2 der Rahmenvereinbarung. In der Regel ein- bis zweimal pro Woche (je nach Empfehlung) zu je mindestens 45 Minuten (Herzsport mind. 60 Minuten).

Sie können jedoch auch als Folgeleistung einer medizinischen Rehabilitation für die Dauer von sechs bis (in speziellen, begründeten Fällen) 24 Monaten z. B. durch eine Rehabilitationsklinik verordnet werden. Kostenträger ist dann die Rentenversicherung.

Der Rehabilitationssport wird grundsätzlich von gemeinnützigen Vereinen angeboten; in einigen Bundesländern, bspw. Saarland und Bayern, gibt es einzelne Angebote von gewerblichen Anbietern. [...]

In Rehabilitationseinrichtungen erfreut sich der Rehasport einer großen Beliebtheit. Die Teilnehmer - mehrheitlich 60+ - kommen aus hauptsächlich aus vier Gründen:

  1. Notwendigkeit einer regelmäßigen Betreuung auf Grund ihrer Behinderung, ihres Einschränkungsgrades zum Erlernen eines Übungsprogramms.
  2. Auf Grund einer ärztlichen Verordnung aus der Rehaeinrichtung selbst durch die dafür prädestinierten Reha-Ärzte, aber auch auf Verordnung von Ärzten außerhalb des Hauses, für die eine Verordnung von Rehasport neben ihres ansonsten begrenzten Budgets eine willkommene Möglichkeit bietet, Patienten eine gruppentherapeutische Intervention zukommen zu lassen.
  3. Wegen der Geselligkeit. Klingt komisch, ist aber so. Diese Rehasportgruppen entwickeln in sich eine große Dynamik. Der soziale Aspekt, der diese Altersgruppe eint, sollte durchaus Beachtung finden. Regelmäßige, wöchentliche Zusammenkünfte “schweißen” zusammen und geben Gelegenheit, sich vor und nach dem Rehasport über Leidenswege, Erlebtes und anderes auszutauschen.
  4. Weil sie keine andere Verordnung bekommen. Und das ist gar nicht so selten. Viele Ärzte fürchten Regresse bei Überschreitung der im Budget vorgesehenen Anzahl an Verordnungen. Zwar sollte das bei medizinisch vorliegender Notwendigkeit ausgeschlossen sein, ist es jedoch nicht.
Betrachten wir nun die einzelnen Punkte hinsichtlich eines video-/onlinegestützten Trainings.
Dazu müssen wir zunächst die Begrifflichkeit definieren. Denn jeder versteht unter dem Begriffen “Videotraining”, “Telemedizin” oder “Onlinetraining” etwas anderes. Mit dieser Art des Trainings oder der Betreuung ist nicht das Anschauen von YouTube-Trainingsvideos gemeint. Dem weit verbreiteten Phänomen der Trainingsvideos müssen wir hier keine Rechnung tragen. Selten von Qualität bestimmt, kommen diese Videos leider allzu häufig von medizinischen Laien und stellen seltenst der Weisheit letzten Schluss dar. Lieschen Müller mit ihrem vor 12 Wochen implantierten neuen Hüftgelenk nutzt es wenig, sich ein Video eines aktiven Bodybuilders anzuschauen, der in der Regel Trainingsumfänge von 80-100% der Maximalkraft absolviert und eingesprungene Liegestütze demonstriert. Nicht, dass das falsch wäre. Keineswegs. Aber es ist eben nichts für Lieschen Müller.

Welche Varianten sind für Therapeuten und Trainer interessant?
Variante A
Es geht meiner Definition nach um gezielte, ein- bis zweimal wöchentlich abgehaltene Video-Schulungen, Video-Trainings im Sinne einer 1:1 bis maximal einer 1:3 (Small-Group) Betreuung, in dem beide bzw. alle Teilnehmer mittels eines vom Einladenden versendeten Links zu einer Videokonferenz zusammenkommen, sich gegenseitig sehen und hören. Vorteil: Man sieht sich, man hört sich, man “kommuniziert” miteinander, Kontrolle ist jederzeit möglich, Korrekturen ebenso. Nachteil: Keiner, technisches Verständnis vorausgesetzt.
Variante B
Diese Variante beruht vielmehr auf der eines Webinars. Die Eingeladenen können nicht interagieren, sondern schauen zu und der Trainer “turnt” sozusagen vor. Er/Sie leitet die Webinarteilnehmer durch das Programm, kann sie dabei aber weder sehen noch hören. Ein Chat ist möglich, jedoch bei gleichzeitigem Bewegungsprogramm und 20 Teilnehmern technisch nicht umsetzbar. Vorteil: Es lassen sich bis 1500 Teilnehmer einladen (abhängig vom Anbieter), alle hören und schauen zu, detaillierte Inhalte lassen sich mittels Einblendungen vornehmen, sehr hoher Informationsgehalt. Nachteil: Keine Kontrolle über die Teilnehmer.
Variante C
Bis zu 25 Teilnehmer (Softwareabhängig) finden sich zu einer Videokonferenz auf Einladung zusammen und können sich untereinander in Wort und Bild austauschen. Vorteil: wie Variante A, nur eben mit mehr Teilnehmern (Softwareabhängig). Nachteil: Viele Teilnehmervideos auf dem eigenen Screen. Gefahr, den Überblick zu verlieren.

Keine dieser oben genannten Varianten ist gut oder schlecht. Letztendlich ist das abhängig von der eigenen Zielsetzungen und den Erfordernissen der Teilnehmer. Ich persönlich bevorzuge für die Arbeit mit einem Patienten die Variante A. Meine Frau, die ausschließlich Group-Fitness betreibt, zieht die Variante C vor. Variante B machen wir beide nicht gerne. Aber das muss jeder selbst entscheiden. Die technischen Voraussetzungen sind die Gleichen. Welche das sind, dazu ein paar Zeilen später mehr.

Zurück zum Rehasport. Damit der Rehasport auch in finanzieller Hinsicht ein lohnendes Objekt wird (bitte nicht falsch verstehen, aber auch solche Betrachtungen müssen einbezogen werden), sollte die Teilnehmerzahl (je nach eigener Kalkulation) zwischen 15 und 20 liegen. 25 einzuplanen ist nicht falsch, denn erfahrungsgemäß sagen bis zu 5 Teilnehmer kurz vor dem Event ab. Damit scheidet die Variante A definitiv aus. Bleiben also die Varianten B und C übrig. Da der Rehasport auf Grund der den Teilnehmern eigenen, individuellen Beschwerdebildern nicht nur das einfache “Abspulen” irgendwelcher Übungen darstellt, sondern gezielte Bewegungsausführungen erfordert und somit eine effektive Kontrolle erlauben sollte, scheidet die Variante B, das sogenannte Webinar, ebenfalls aus - ungeachtet der fehlenden sozialen Kommunikation. Dieses Problem stellt sich unter dem vorgenannten Aspekt nicht.
Somit kann der Rehasport nur sinnvoll und effektiv mit der Variante C durchgeführt werden. Den Nachteil dieser Variante muss man in Kauf nehmen und diesem durch eine erhöhte Aufmerksamkeit und Konzentration seitens des anleitenden Trainers entgegenwirken. Nicht einfach, aber durchaus machbar.
Betrachten wir nun im Folgenden die Therapie an sich.

Therapeutische Intervention
Auch hier bemühen wir zunächst Wikipedia: [...] Therapie (altgriechisch θεραπεία therapeia „Dienst, Pflege, Heilung“) oder Behandlung bezeichnet alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Behinderungen, Krankheiten und Verletzungen positiv zu beeinflussen. Die Voraussetzung für Therapie ist eine zuvor erlangte Diagnose. Ziel eines Therapeuten ist es, eine Heilung zu ermöglichen oder zu beschleunigen, zumindest aber die Symptome zu lindern oder zu beseitigen und körperliche oder psychische Funktionen wiederherzustellen. Verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung einer Krankheit werden oft als Therapieoptionen bezeichnet.

Um eine entsprechende Therapie empfehlen zu können, muss zunächst eine Diagnostik vorgenommen werden. Dabei wird eine Diagnose erstellt, indem die Beschwerden und verschiedener Untersuchungbefunde beurteilt und eingeordnet werden. Die eigentliche Therapie besteht dann aus Maßnahmen zur Behebung der Beschwerden oder vorzugsweise der Krankheitsursache. Wenn eine Therapie angemessen zur Behandlung eines Krankheitsbilds ist, spricht man von einer Indikation (dem „Angezeigtsein“ einer bestimmten Behandlung). [...]

Sind die o.g. Varianten der Onlinebetreuung nun geeignet, um diesen Forderungen nachzukommen?

Ich meine JA. Vor allem Variante A scheint mir hierbei ein durchaus akzeptables Mittel zum Zweck zu sein. Man tritt mit dem Teilnehmer in eine individuelle 1:1-Situation ein. Ein gesonderter Raum (aus Gründen, die in der DSGVO zu suchen sind), alleine mit dem Therapeuten, ergibt eine Situation, wie wir sie täglich in Praxisräumen vorfinden - unter Umständen sogar besser, denn die Wände mancher Praxiseinrichtungen sind ausgesprochen dünn [Ironiemodus Aus]. Selbst diagnostische Maßnahmen lassen sich auf diese Art festlegen. Per Video betrachtet, mit Erlaubnis des Patienten einen Screenshot erstellt (zusätzlich sind mit Erlaubnis des Patienten Aufzeichnungen der Therapieeinheit möglich), gezielte Befragung und ebenso gezielte Betrachtung wie in einer “normalen” Therapiesitzung auch, lassen Rückschlüsse auf viele Pathologien zu. Nachteil: Nicht auf alle. Benötigen wir aktive UND passive Bewegungsausmaße, ist eine Videositzung nicht geeignet. Dann jedoch kann man den Patienten zum ersten Termin der Befundung in die Praxis einbestellen, um dann die weiteren Betreuungen online durchzuführen.

Die Wissenschaft hat mittlerweile ausreichend Evidenz für aktive Bewegungsprogramme geliefert, die ein “Hands on” weitestgehend überflüssig machen. Also überall dort, wo aktive Maßnahmen im Vordergrund stehen, Motivation erforderlich ist, sogenannte Hausaufgaben auf Grund der Motivationslage des Patienten nur widerwillig oder gar nicht durchgeführt werden, ist das Online-Training im Sinne der Variante A meines Erachtens hervorragend geeignet, als “Stand alone” und “Add on” seinen Zweck zu erfüllen. 



Betrachten wir die PMS-Pyramide, so finden wir in der Basis die sogenannte “Therapeutische Allianz” sowie die Forderung nach “Edukation”. Beide Themenfelder lassen sich mittels einer Videosession hervorragend abbilden. Abhängig von der verwendeten Software oder vom Anbieter lassen sich während einer laufenden Sitzung Präsentationen und Schreenshots einblenden, die das gesprochene Wort oder eine Übungsanleitung wirkungsvoll unterstützen.

Personal Fitness Training

Im Personal Fitness Training (nachfolgend PT genannt) findet das Videotraining schon seit geraumer Zeit Anwendung. Klassischerweise wird hierbei die Variante A bevorzugt, aber auch Edukation mittels eines Webinars (Variante B) wird gerne eingesetzt. So hat der Trainer nicht nur die Möglichkeit, seine Kunden individuell zu Hause, auf Reisen oder unterwegs hinsichtlich Ernährung, Ausrüstung und Trainingsdurchführung zu betreuen, sondern kann ihnen gemeinsam Fachwissen oder Trainingsmethodiken vermitteln. Viele PT-Kunden verfügen über entsprechend ausgestattete eigene Räumlichkeiten, in denen sich ein solches Training hervorragend durchführen lässt. Selbst vor Outdoor-Veranstaltungen muss diese Art der Präsentation nicht halt machen.

Was benötige ich zu einer videogestützten Therapie oder einem videogestütztem Training?
Sehr wahrscheinlich ist das viel weniger, als manche annehmen. Aber es gilt ein paar Grundregeln zu beachten, die solche Sitzungen sicherer, effektiver und damit für den Anwender wie für den Patienten und Kunden “stressfreier” machen. Beachtet man diese im Vorfeld, macht das Ganze um so mehr Spaß und bewahrt vor Frustration.

1. Papierkram. Ohne den geht es nicht. Nicht nur in Deutschland nicht. Das ist in allen europäischen Ländern der gleiche Ablauf. Arbeitest du auf Basis einer Verordnung, dann benötigst du diese natürlich vom Arzt. Die gesetzl. Krankenkassen haben für die vorauss. Dauer der Corona-Krise eine entsprechende Verordnungsposition geschaffen. Näheres dazu findest du hier mit Stand vom 18.03.2020. Beachte bitte, dass sich das auch immer wieder einmal ändert. Bleibe also auf dem Laufenden, um nicht in eine Falle zu treten und am Ende auf deinen Kosten sitzen zu bleiben. Unbedingt erforderlich ist eine Einverständniserklärung deines Patienten bzw. Kunden. Dazu gehört diese selbst wie auch ein Formular der DSGVO. Ich empfehle dazu folgenden Link. Das ist zwar selten kostenlos, sichert dein Handeln aber durch die Möglichkeit des individuellen, auf deine persönlichen Umstände zutreffenden Eintrags bestmöglich ab. Das solltest du auf jeden Fall im Vorfeld erledigen. Je nach Anbieter wird dir diese Möglichkeit inklusive angeboten und kostet daher zusätzlich nichts (YSPORT beispielsweise beinhaltet sowohl die AGB wie auch die Datenschutzbestimmungen als Vorlage). Nutze deine Homepage, Flyer, Folder und Aushänge in der Praxis oder deinen Räumlichkeiten, um über den Ablauf und die Möglichkeit eines solchen Trainings bzw. Therapie hinzuweisen. Arbeitest du mit Privatpatienten, erkundige dich zuvor, ob die private Kasse deines Patienten Videosessions vorsieht. Im Personal Training ist das wesentlich unproblematischer, da der Kunde bzw. Klient diese Leistung aus der eigenen Tasche bezahlt oder bezahlt bekommt. YSPORT sieht hier sogar ein minutengenaue Abrechnungskonzept vor, dass du problemlos nutzen kannst.


Bild Bild.de

2. Material. Das geht günstig oder teuer - je nach deiner Zielsetzung. Für den Anfang empfehle ich dir folgende Ausstattung.
  • Mobiltelefon und/oder Tablet. Verwende die rückseitige, also die Hauptkamera. Sie hat in aller Regel eine deutlich bessere Auflösung. Allerdings ist das Handling mit einem Mobiltelefon eingeschränkt. Mehrere Bildschirme lassen sich in aller Regel nicht darstellen. Besser ist ein Tablet. Webbasierten Systemen ist es egal, ob du ein Android- oder ein iOS-Gerät verwendest. Der Screen ist je nach verwendetem Endgerät mit nahezu 13 Zoll optimal und das Touch-System erlaubt eine einfach Bedienung. Mittels eines HDMI-Kabels und eines Adapters sowie einem separaten Bildschirms lässt sich der Screen des Tablet problemlos auf den Fernseher darstellen.
  • Laptop oder Notebook. Auch das funktioniert. Hat allerdings den Nachteil des stationären Daseins. Auf dem Boden platziert ist das Bild ungünstig für den Patienten oder Kunden. Wenn du liegst, mag das noch einigermaßen passen, aber sobald du aufstehst, sieht man nur noch deine Füße und du musst das Notebook anders platzieren. Auf dem Schreibtisch stehend benötigst du auf jeden Fall eine zusätzliche Webcam, um die Darstellung und die Position zu optimieren.
  • Immer und überall gutes WLAN oder mindestens 4G. Ohne das funktioniert das nicht wirklich. Die Datenpakete, die während einer Videosession ausgetauscht werden, sind extrem groß und benötigen eine stabile Verbindung mit hoher Qualität. 3G liefert dabei zu geringe Übertragungsraten. Am Besten ist ein WLAN und eine unmittelbare Nähe dazu. Wer das nicht sein eigen nennt, muss gar nicht mehr weiterlesen.
  • Stativ. Verwende sowohl für das Handy wie auch für das Tablet ein Stativ. Nimm nicht das Billigste, weil diese in aller Regel sehr wackelig sind und im Falle eines Sturzes, sowohl dein Tablet wie auch dein Handy gefährden. Die Fa. Neewer bietet hervorragende Carbon-Stative mit vielfältigen Funktionen an, an denen du dich lange erfreuen kannst.
  • Verwende eine Halterung für dein Handy oder dein Tablet, die du auf die Kamerahalterung des Stativs aufschrauben kannst. Diese Halterungen sichern dein Endgerät optimal und in Verbindung mit einem Stativ hast du alle Einstellmöglichkeiten der Welt, bist unabhängig und kannst auch die Entfernungen zu dir selbst optimal gestalten, so dass dich dein Gegenüber vollständig erfassen kann.
  • Headset. Die Mikrofone der Endgeräte sind mittlerweile wirklich gut geworden. Aber wenn du dich bewegst oder der Raum groß und leer ist, leidet die Tonqualität enorm. Ein Headset schafft hier Abhilfe. Bedenke jedoch, dass deine Sprache und das Bild etwas verzögert wirken, da die Übertragung mittels Bluetooth ein paar Millisekunden benötigt. Aber auch daran gewöhnt man sich schnell.
  • Aufheller. Ist der Raum relativ dunkel und deine Beleuchtung nicht ausreichend, kannst du auch sogenannte Aufheller benutzen. Das sind Regel runde oder ovale faltbare Reflektoren, die es in verschiedenen Farben gibt. Nimm einen Goldenen. Der macht schöne Hautfarben und das Bild insgesamt wärmer.

Bild Grosselfinger - Alarmanlagen

3. Räumlichkeit. Der Raum muss frei von weiteren Personen sein. Es empfiehlt sich, dieses auch gegenüber dem Patienten oder Kunden am anderen Ende der “Leitung” kurz durch einen Rundumschwenk zu demonstrieren. Es darf niemand sonst zuhören. Du bist also ganz alleine mit dir und deinem Endgerät. Das ist am Anfang sehr ungewohnt. Aber mit der Zeit kehrt auch dabei Routine ein. Wenn du auf etwas NICHT verzichten kannst, ist es Licht! Achte darauf, dass das Tageslicht nicht auf die Kamera fällt. Am Besten kommt es von der Seite. Das macht das Bild lebendiger. Nutze LED-Stative oder Fotoleuchten, um den Raum optimal auszuleuchten. Licht kann man für unseren Verwendungszweck definitiv nicht genug haben. Der Hintergrund muss dabei keineswegs weiß sein. Weiß erzeugt eine optische Leere und stört die Wahrnehmung deines Gegenübers. Dunkelgrau ist gut geeignet, aber auch ein aufgeräumtes Regal oder ein paar Pflanzen lockern das Bild auf. Dagegen wirkt ein Raum mit vielen Trainingsgeräten stets unaufgeräumt und unruhig. Probiere es aus. Du wirst erstaunt sein, wie du das selber wahrnimmst.
Bist du in einem Raum, der auch für andere Zwecke genutzt werden muss, dann klebe auf den Boden ein paar Markierungen, damit du weißt, wo du stehen musst, das Stativ steht, die Matte liegen muss usw..


Bild Softbox Fotoleuchten

4. Kameraposition. Das klingt zunächst komisch. Aber auch hier gibt es ein paar Grundregeln, die recht einfach umzusetzen sind. Filme dich nie von unten. Das macht dich dick und fett, erhaben und groß, fast überheblich. Vor allem der Hals leidet sehr bei Aufnahmen von unten. Von oben ist es genau umgekehrt. Du wirkst klein und verletzlich. Das will ja auch keiner sehen. Glaube nicht, dass so etwas deinem Gegenüber nicht auffällt. You never get a second chance for a first impression - heißt es im Allgemeinen. Die Kamera sollte dabei in etwa auf Augenhöhe sein. Demonstrierst du Übungen, ist eine leicht erhöhte Position zwecks des Überblicks, den der Patient bzw. Kunde letztendlich braucht, notwendig. Schaue in die Kamera, nicht auf deinen Bildschirm. Das ist zu Beginn echt schwierig und vielleicht muss du das vor deiner ersten Session ein wenig trainieren. Aber es irritiert das Gegenüber enorm, wenn du immer an der Kamera vorbeischaust. Verwendest du die Hauptkamera, kannst du sowieso nirgends anders hinschauen. Hast du allerdings das Handy oder das Tablet an einen größeren Screen, z.B. deinen Fernseher, angeschlossen, wirst du dazu tendieren, immer dich im Fernseher zu betrachten.

So, das war es auch schon. Klingt nach viel, ist es aber nicht. Einmal gelesen und umgesetzt, wird das zur Selbstverständlichkeit. Und denke nicht, dass es auch ohne geht. Klar geht das. Aber nicht gut. Und wenn es andere besser machen, wechselt dein Patient oder dein Kunde womöglich genau zu demjenigen, den du zuvor noch wegen seines Aufwandes belächelt hast. Denn eines fehlt natürlich beim Videotraining: der Handschlag, das Persönliche, die Stimmung. Hier gilt zunächst das “nackte” Erscheinungsbild.

Vielleicht noch ein letztes Wort zu den verschiedenen Anbietern - nein, ich erhalte kein Geld dafür.
ZOOM geht. Es ist auch Konform zur DSGVO, befreit jedoch nicht von der Auftragsverarbeitung und den bereits oben beschriebenen Notwendigkeiten. SKYPE-BUSINESS geht auch. Beide erfordern allerdings die Installation einer Application Software. Ohne die ist eine Anwendung in beide Richtungen nicht möglich. Sehr gut ist m.E. YSPORT. YSPORT ist für das Gegenüber kostenfrei, wenn du das bei der Einladung so eingestellt hast. Du kannst aber auch das integrierte Abrechnungssystem verwenden. Dabei legst du einen Minutenpreis fest, an dem YSPORT als Anbieter prozentual beteiligt ist. Ein faires System. Diesen Anteil an den Anbieter kalkulierst du natürlich im Vorfeld mit ein. SKYPE als kostenfreie Variante geht auf Grund der DSGVO nicht. Alles, was irgendwie im Entferntesten mit Facebook zu tun hat, geht selbstverständlich nicht. Hier kannst du mit nichts eine DSGVO-konfirmität herstellen (Messenger, Facebook selbst, WhatsApp, Instagram). Selbstverständlich gibt es eine Vielzahl anderer Anbieter. Diese alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Achte dabei bitte auf Folgendes:
  • DSGVO konform
  • Webbasiert (keine Installation einer App - das mögen die Wenigsten, v.a. ältere Menschen scheune sich oftmals davor, sich irgendetwas (noch dazu aus den USA) auf das Handy oder das Tablet zu laden. Webbasierte Anwendungen haben auch für beide Seiten den Vorteil, dass sie von jedem Rechner der Welt auch ohne Handy oder Tablet immer und überall zu bedienen sind.
  • Übersichtliche Preisgestaltung. Transparenz. Viele werben mit kostenfreien Angeboten. Das gibt es nicht ohne Einschränkung. Niemand hat es etwas zu verschenken. Lebe mit Beschränkungen oder bezahle dafür (YSPORT kostet dich beispielsweise im Basispaket, welches für unsere Absicht vollkommen ausreicht, 9 Euro Netto pro Monat).
Ich hoffe, ich konnte dir mit meinen Überlegungen ein wenig helfen. Wenn du Fragen hast, dann stelle sie. Wenn es dir gefallen hat, hinterlasse gerne einen positiven Kommentar. Und gegen ein Abo meines Blogs habe ich auch nichts einzuwenden.

©Jürgen Pagel 2020


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