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Krafttraining

Krafttraining ist der kleinste gemeinsame Nenner bei einer Vielzahl sogenannter Zivisationskrankheiten. Gefäßerkrankungen, Herzkreislauferkrankungen, Osteoarthrose, Bluthochdruck Diabetes Mellitus, Schlaganfall, Rückenschmerzen - um nur einige wenige zu nennen - lassen sich mit einem adäquaten und intensivem Krafttraining  positiv in der Therapie und Prävention beeinflussen.

In nahezu allen NVL (nationale Versorgungsleitlinien) neueren Datums wird eine eindeutige Empfehlung hinsichtlich des Krafttrainings ausgesprochen.
Leider stehen gerade in therapeutischen Anwendungen immer noch allzu häufig passive Maßnahmen im Vordergrund.

Betrachtet man die therapeutische Pyramide, so sollten die therapeutische Allianz und die Edukation im Vordergrund stehen, gefolgt von aktiven Maßnahmen, wie medizinische Trainingstherapie und aktivem Training mit dem eigenen Körpergewicht. Ziel ist es hierbei, den Patienten “loszulassen”, Eigenaktivität zu fördern und eine hohe Alltagsfunktionstauglichkeit wieder herzustellen.

Physio Meets Science leistet hierzu einen hervorragenden Beitrag, den ich seiner Übersichtlichkeit wegen hier darstelle.






Das Krafttraining stellt keinen Ersatz für ein Ausdauertraining dar, sondern ist eine überaus sinnvolle Ergänzung. Eine Kombination erscheint praktikabel. Beispielsweise lässt sich mit Schwerpunkt Kraft und Stabilität 3 mal pro Woche trainieren. 2 Trainingseinheit entfallen dann auf das Ausdauertraining.


Es ist unsere Aufgabe, als professionelle Trainer und Therapeuten, den Patienten Angst und Unsicherheit zu nehmen. Es besteht keinerlei Grund, Angst vor der Verwendung von Zusatzgewichten zu haben. Dabei sind neben dem Verständnis für den Bewegungsablauf, Anwendungssicherheit und ein vorangegangenes Training mit dem eigenen Körpergewicht unerlässlich.








Auch in der Therapie gelten die Regeln eines adäquaten Krafttrainings. Der Reiz muss groß genug sein, um Veränderungen und Anpassungsreaktionen des Organismus hervorrufen zu können. Dabei geht es nicht um pauschal angeordnete 15 Wiederholungen. Belastungen können kurze und ausgesprochen intensiv sein (HIIT). Beispielsweise 85-90% des 1RM mit explosiver Ausführung, 1 Satz und eine Vielzahl von Übungen. 12-15 Wiederholungen bis zum technischen Versagen (was ungefähr 70-75% des 1RM entspricht) mit 2-3 Serien können - abhängig von der Zielsetzung - ebenso effektiv sein. Sie verfolgen nur eine andere Zielsetzung.


Physiotherapie ist längst nicht mehr auf die Anwendung passiver Behandlungstechniken beschränkt. Die Evidenzlage hinsichtlich des Krafttrainings ist mittlerweile zu überzeugend, dass niemand mehr an einem aktiven, gewichtsorientiertem und belastendem Training vorbei kommt. Es ist gerade sträflich, darauf zu verzichten. Dazu bedarf es keiner teuren Gerätschaften. Mit einem TRX-Suspension, einem Medicine Ball, einem Satz Kurzhanteln mit bis zu 25 kg Einzelgewicht und instabilen Unterlagen lässt sich für jedweden Schwierigkeitsgrad ein effektives, spannendes und abwechslungsreiches Training konstruieren.
Vorbei sind die Zeiten, wo Patienten nach einem Herzinfarkt lebenslange Schonung auferlegt wurde. Heute ist HIIT angesagt - und das mit hervorragenden Erfolgen.

(c) Jürgen Pagel
http://www.jpmedcoaching.de

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